Hochsensible Kinder verstehen: Warum dein Kind nicht „zu viel“ ist

Themen:

Vielleicht kennst du dieses Gefühl, dass bei euch irgendwie alles ein bisschen intensiver ist als bei anderen Familien.

Andere Kinder ziehen sich morgens an. Deins kann die Naht in der Socke nicht ertragen.

Andere gehen nach einem aufregenden Tag nach Hause und sind müde. Dein Kind dreht dort erst richtig auf, explodiert wegen einer Kleinigkeit oder bricht völlig zusammen.

Ein Plan ändert sich spontan und für alle anderen ist das kein großes Ding – bei euch kippt die komplette Stimmung.

Geräusche sind zu laut. Kleidung ist zu kratzig. Gerüche zu stark. Abschiede schwierig. Übergänge anstrengend. Gefühle riesig.

Vielleicht diskutiert dein Kind unglaublich viel. Vielleicht zieht es sich zurück. Vielleicht schläft es schlecht oder braucht nach einem aufregenden Tag ewig, um wieder runterzukommen.

Und während andere Familien scheinbar einfach irgendwo hingehen, irgendwas unternehmen und anschließend wieder nach Hause fahren, hast du manchmal das Gefühl, du müsstest vorher ungefähr 37 Eventualitäten durchdenken, damit euch der ganze Laden nicht um die Ohren fliegt.

Irgendwann fragst du dich:

Warum ist bei uns eigentlich alles so anstrengend?

Warum reagiert mein Kind auf Dinge, die für andere überhaupt kein Problem zu sein scheinen?

Warum ist alles so intensiv?

Mache ich irgendetwas falsch?

Bin ich nicht konsequent genug?

Habe ich mein Kind zu sehr geschont?

Brauche ich einfach nur die richtige Erziehungsstrategie?

Ich kenne diese Fragen ziemlich gut.

Und einer der größten Aha-Momente für mich war irgendwann zu verstehen:

Vielleicht müssen wir gar nicht als Erstes am Verhalten schrauben. Vielleicht müssen wir erstmal verstehen, warum dieses Verhalten überhaupt entsteht.

Denn wenn ein Kind unglaublich viel wahrnimmt, Reize intensiv verarbeitet, Veränderungen stärker erlebt und Gefühle mit einer Wucht spürt, die uns Erwachsene manchmal komplett überfordert, braucht es nicht einfach nur die nächste Erziehungsstrategie.

Es braucht Erwachsene, die verstehen, was da eigentlich gerade passiert.

Und genau darum geht es in diesem Artikel.

Woran erkenne ich ein hochsensibles Kind?

Hochsensible Kinder sind nicht alle gleich.

Es gibt nicht das hochsensible Kind, das morgens von Vogelgezwitscher überfordert ist, ausschließlich Kleidung ohne Etiketten trägt und nach jedem Kindergeburtstag drei Tage in einem abgedunkelten Zimmer verbringen muss. 😄

Hochsensibilität kann sich sehr unterschiedlich zeigen.

Was viele hochsensible Kinder gemeinsam haben, ist, dass sie Reize sehr intensiv wahrnehmen und verarbeiten.

Dein Kind hört vielleicht Geräusche, die du längst ausgeblendet hast. Es bemerkt Gerüche sofort, reagiert empfindlich auf Licht oder Berührungen oder kann bestimmte Kleidung tatsächlich kaum aushalten.

Auch volle Räume, viele Menschen, Zeitdruck oder ein Tag mit zu vielen Programmpunkten können unglaublich anstrengend sein.

Und dann sind da diese Dinge, die man von außen überhaupt nicht sieht.

Stimmungen zum Beispiel.

Manche Kinder bekommen sofort mit, wenn zwischen zwei Menschen irgendetwas nicht stimmt. Sie nehmen Spannungen wahr, beobachten kleinste Veränderungen und denken über Dinge nach, die andere Kinder längst wieder vergessen haben.

Auch Übergänge sind häufig ein Thema.

Das Spiel beenden. Losfahren. Nach Hause gehen. Morgens das Haus verlassen. Von Schule auf Freizeit umschalten. Sich auf eine neue Situation einstellen.

Was von außen wie eine Kleinigkeit aussieht, kann innerlich ziemlich viel Umstellung bedeuten.

Und natürlich sind da die Gefühle.

Hochsensible Kinder fühlen häufig intensiv.

Wenn sie traurig sind, sind sie nicht ein bisschen traurig.

Wenn sie wütend sind, dann ist die Wut da. Und zwar mit allem drum und dran.

Wenn etwas ungerecht ist, kann sie das noch Stunden beschäftigen. Wenn sie sich vor etwas fürchten, lässt sich diese Angst nicht unbedingt mit einem schnellen „Du brauchst doch keine Angst zu haben“ wegwischen.

Manche Kinder zeigen all das sehr laut.

Andere überhaupt nicht.

Sie ziehen sich zurück, werden still, wollen plötzlich nicht mehr mitmachen oder brauchen einfach ihre Ruhe.

Auch Schlaf kann ein Thema sein. Der Körper liegt längst im Bett, während der Kopf offenbar noch den kompletten Tag sortiert. Gerade nach vielen Eindrücken ist Runterfahren deshalb oft nicht einfach nur eine Frage von „müde genug sein“.

Wenn ihr abends regelmäßig nicht zur Ruhe kommt, findest du in meinem Artikel Ätherische Öle für besseren Schlaf unsere liebsten Öle und Routinen rund ums Runterfahren und Einschlafen.

Und vielleicht war dieses „Bei uns ist irgendwie alles intensiver“ auch schon viel früher da.

Vielleicht hattest du ein Baby, das unglaublich viel Nähe brauchte, sich kaum ablegen ließ, wenig schlief und auf seine Umwelt sehr stark reagierte. Dann ist dir möglicherweise schon einmal der Begriff High Need begegnet.

Vieles kann sich überschneiden, trotzdem ist High Need nicht einfach ein anderes Wort für Hochsensibilität. Wenn du dich und dein Kind darin wiedererkennst, lies auch meinen Artikel High-Need-Baby: Wenn dein Baby einfach mehr braucht.

Vielleicht erkennst du dein Kind gerade in ziemlich vielem wieder.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jede intensive Reaktion automatisch Hochsensibilität ist. Einzelne dieser Merkmale können ganz unterschiedliche Gründe haben.

Viel interessanter als eine Checkliste finde ich deshalb eine andere Frage:

Was passiert eigentlich in meinem Kind, wenn ihm alles zu viel wird?

Warum reagiert mein hochsensibles Kind so intensiv?

Hier hat sich für mich unglaublich viel verändert, als ich angefangen habe, mich intensiver mit dem Nervensystem zu beschäftigen.

Hochsensibilität und Nervensystem sind nicht dasselbe. Hochsensibilität ist auch keine Nervensystem-Diagnose.

Aber wenn wir verstehen wollen, warum ein sensibles Kind in bestimmten Situationen so intensiv reagiert, hilft uns der Blick auf sein Nervensystem enorm weiter.

Denn Verhalten entsteht nicht einfach aus dem Nichts.

Stell dir vor, dein Kind hat schlecht geschlafen.

Morgens kratzt das Shirt.

Dann Zeitdruck.

Frühstück.

Losfahren.

Menschen.

Geräusche.

Anforderungen.

Übergänge.

Ein Konflikt.

Noch mehr Geräusche.

Noch mehr Erwartungen.

Vielleicht hält dein Kind sich den ganzen Vormittag erstaunlich gut zusammen.

Dann kommt es nach Hause.

Du stellst die falsche Trinkflasche hin.

BOOM.

Und natürlich geht es nicht um die Trinkflasche.

Die war nur das Letzte, was noch obendrauf kam.

Genau das ist für mich einer der wichtigsten Perspektivwechsel überhaupt.

Wenn wir nur auf das Verhalten schauen, sehen wir ein Kind, das wegen einer völlig lächerlichen Kleinigkeit ausrastet.

Wenn wir anfangen, darunter zu schauen, sehen wir vielleicht ein Kind, dessen System seit Stunden unglaublich viel aufgenommen, verarbeitet und ausgehalten hat.

Und plötzlich ergibt die Reaktion viel mehr Sinn.

Gerade bei heftigen Wutanfällen hat dieser Blick bei mir unglaublich viel verändert. Denn wenn wir nur die Explosion sehen, verpassen wir schnell die 27 Dinge, die vorher schon passiert sind.

In meinem Artikel über Wutanfälle bei Kindern gehe ich deshalb noch viel genauer darauf ein, was hinter diesen heftigen Reaktionen stecken kann und was in diesem Moment wirklich hilft.

Überforderung sieht nicht immer nach Wut aus

Ein Nervensystem, dem alles zu viel wird, muss nicht zwangsläufig explodieren.

Ein Kind kann laut, wild und impulsiv werden. Es kann diskutieren, weinen, provozieren, völlig überdrehen oder scheinbar wegen jeder Kleinigkeit ausflippen.

Ein anderes Kind wird still.

Es zieht sich zurück, antwortet kaum noch, möchte nichts entscheiden und am liebsten von niemandem mehr etwas wissen.

Und wieder ein anderes wird völlig albern, rennt herum und wirkt, als hätte es noch Energie für ungefähr drei weitere Tage, obwohl eigentlich genau das Gegenteil der Fall ist.

Deshalb finde ich die Frage

„Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“

inzwischen viel weniger hilfreich als:

„Was passiert hier gerade – und was braucht mein Kind?“

Und genau aus dieser Frage ist irgendwann mein Nervenkompass entstanden.


Sonne, Sturm, Lava oder Eis?

Manchmal wissen wir nämlich sehr genau, was unser Kind tut, aber überhaupt nicht, was dahinter passiert.

Mit meinem kostenlosen Nervenkompass bekommst du dafür eine einfache Orientierung.

Ist dein Kind gerade in Sonne – fühlt sich sicher, verbunden und kann spielen, lernen und in Kontakt sein?

Ist es schon im Sturm, weil Gedanken, Reize und Anforderungen langsam zu viel werden?

Ist es in Lava und das komplette System längst im Alarm?

Oder ist es in Eis gerutscht, zieht sich zurück und braucht gerade etwas völlig anderes als noch mehr Fragen und Aufforderungen?

Bevor wir überlegen, wie wir etwas verändern können, dürfen wir erstmal erkennen, wo wir überhaupt gerade stehen.

→ Nervenkompass kostenlos herunterladen

Ausdrucken, an den Kühlschrank hängen und beim nächsten Gefühlschaos direkt zur Hand haben.


Hochsensibilität bedeutet nicht nur, dass die schwierigen Gefühle größer sind

Wenn wir über hochsensible Kinder sprechen, landen wir erstaunlich schnell bei all den Dingen, die schwierig sind.

Die Wut ist riesig.

Die Enttäuschung ist riesig.

Die Angst ist riesig.

Das Kind ist schnell überreizt, nimmt sich Dinge unglaublich zu Herzen und bekommt mit, dass irgendein Mensch im Raum heute irgendwie anders guckt als sonst.

Ja.

Das gehört dazu.

Aber dabei vergessen wir manchmal etwas ziemlich Entscheidendes:

Die anderen Gefühle sind auch riesig.

Die Freude.

Die Begeisterung.

Die Liebe.

Das Mitgefühl.

Dieses komplette Versinken in etwas, das sie fasziniert.

Wenn sich ein hochsensibles Kind freut, kann diese Freude einen ganzen Raum füllen.

Wenn es für etwas brennt, dann brennt es eben nicht so ein bisschen auf Sparflamme.

Wenn es liebt, dann oft mit einer Tiefe, die mich immer wieder berührt.

Und ich finde, wir dürfen verdammt aufpassen, dass wir unseren Kindern nicht unbewusst vermitteln:

Deine Intensität ist das Problem.

Denn das alles gehört zusammen.

Wir können nicht sagen:

Bitte behalte deine unglaubliche Begeisterungsfähigkeit, dein Mitgefühl, deine feine Wahrnehmung und deine Fähigkeit, völlig in etwas einzutauchen.

Aber Wut, Angst, Traurigkeit und Überforderung hätten wir bitte gerne drei Nummern kleiner.

So funktioniert das nicht.

Vielleicht müssen wir deshalb gar nicht ständig versuchen, aus diesen Kindern weniger zu machen.

Weniger laut.

Weniger emotional.

Weniger empfindlich.

Weniger intensiv.

Vielleicht dürfen wir ihnen vielmehr helfen, mit ihrem ganzen Viel gut leben zu können.

Und das ist für mich ein riesiger Unterschied.

Was hochsensiblen Kindern im Alltag hilft

Wenn ich verstanden habe, dass mein Kind viele Dinge intensiver wahrnimmt und verarbeitet, verändert sich automatisch meine nächste Frage.

Ich frage nicht mehr nur:

Wie bringe ich mein Kind dazu, besser damit klarzukommen?

Sondern:

Wie können wir unseren Alltag so gestalten, dass sein System nicht ständig über seine Grenzen gehen muss?

Und manchmal sind die Antworten erstaunlich unspektakulär.

Weniger ist manchmal wirklich mehr

Nicht jedes Problem braucht eine pädagogische Lösung.

Manchmal ist es schlicht zu laut.

Zu voll.

Zu lange.

Zu viel.

Gerade Kinder, die unglaublich viel aufnehmen, brauchen auch Zeiten, in denen nicht schon das nächste Erlebnis wartet.

Nicht jeder freie Nachmittag muss gefüllt sein.

Nicht nach Schule oder Kita noch schnell einkaufen, zum Sport, zur Verabredung und anschließend auf irgendein Fest, weil andere Familien das schließlich auch schaffen.

Manchmal ist Zuhause genau richtig.

Und genau das gilt übrigens auch für Zeiten, in denen gefühlt alles gleichzeitig besonders schön sein soll.

Weihnachten ist dafür das beste Beispiel: Lichter, Menschen, Termine, Geschenke, Gerüche, Musik, Aufregung und Erwartungen. Wunderschön – und für ein sensibles System gleichzeitig eine ganze Menge.

Wie wir damit umgehen und warum gerade in der Weihnachtszeit weniger oft wirklich mehr ist, habe ich in Weihnachten mit hochsensiblen Kindern ausführlicher aufgeschrieben.

Übergänge vorbereiten

„Wir gehen jetzt.“

Zwei Wörter, mit denen sich erstaunlich zuverlässig ein kompletter Familiennachmittag sprengen lässt. 😄

Übergänge bedeuten, etwas zu beenden, sich innerlich umzustellen und auf etwas Neues einzulassen.

Deshalb hilft es vielen sensiblen Kindern, wenn sie wissen, was kommt.

Noch zehn Minuten.

Noch fünf.

Du kannst das fertig machen und dann fahren wir.

Nicht, weil das Leben immer planbar sein muss.

Sondern weil Orientierung Sicherheit geben kann.

Erst regulieren, dann reden

Das ist vermutlich einer der Punkte, die ich am liebsten viel früher verstanden hätte.

Wenn mein Kind komplett in Lava ist, brauche ich nicht mit meiner pädagogisch wertvollsten Erklärung um die Ecke zu kommen.

Dann ist nicht der Moment für viele Worte.

Weniger reden.

Weniger Anforderungen.

Weniger Druck.

Und erstmal dabei helfen, wieder an einen Punkt zu kommen, an dem überhaupt etwas ankommen kann.

Über das, was passiert ist, können wir später sprechen.

Rückzug erlauben

Ein sensibles Kind muss nicht lernen, jede laute, volle und anstrengende Situation genauso lange auszuhalten wie alle anderen.

Es darf Pausen brauchen.

Es darf früher gehen wollen.

Es darf sich auf einem Kindergeburtstag zurückziehen.

Und vielleicht muss es nach einem langen Tag auch nicht direkt erzählen, wie es war.

Manchmal braucht ein voller Kopf erstmal Ruhe, bevor wieder Platz für Verbindung entsteht.

Erstmal den Körper checken

Dieser Punkt ist so banal und gleichzeitig bei uns erstaunlich oft die Lösung für vermeintlich riesige Probleme.

Hat das Kind Hunger?

Durst?

Muss es auf Toilette?

Ist es müde?

Ist ihm zu warm oder zu kalt?

Tut irgendetwas weh?

Manchmal versuchen wir eine halbe Stunde lang, irgendein komplexes emotionales Problem zu lösen, und eigentlich braucht das Kind ein Brot.

Deshalb steht dieser Körpercheck auch ganz am Anfang meines Nervenkompasses.

Wobei Essen bei sensiblen Kindern natürlich nochmal ein ganz eigenes Thema sein kann.

Geschmack, Geruch, Konsistenz, Temperatur, Lebensmittel, die sich berühren – wenn du all diese Dinge intensiv wahrnimmst, ist „Probier doch einfach mal“ ungefähr so hilfreich, wie es klingt. 😄

Wenn Essen bei euch regelmäßig zum Thema wird, lies auch meinen Artikel über Picky Eater und wählerisches Essen bei Kindern.

Manchmal müssen wir nicht das Kind verändern, sondern den Weg

Und dann gibt es Situationen, bei denen wir irgendwann feststellen:

Das funktioniert einfach nicht.

Vielleicht haben wir bereits unglaublich viel vorbereitet, begleitet, reguliert und angepasst.

Und trotzdem kommt unser Kind immer und immer wieder an derselben Stelle an seine Grenzen.

Dann finde ich es wichtig, nicht automatisch zu denken:

Da muss es halt durch.

Sondern auch einmal zu fragen:

Warum eigentlich?

Was genau funktioniert hier nicht?

Was braucht mein Kind?

Kann man diesen Weg anders gestalten?

Gibt es eine Alternative?

Manchmal brauchen unsere Kinder bessere Werkzeuge, um mit einer Situation umzugehen.

Und manchmal brauchen sie schlicht eine andere Situation.

Nicht jede Betreuung passt zu jedem Kind.

Nicht jede Schule passt zu jedem Kind.

Nicht jeder Tagesablauf passt zu jeder Familie.

Und übrigens gilt das nicht nur für unsere Kinder.

Wir dürfen dieselben Fragen auch für unser eigenes Leben stellen.

Denn das Ziel kann doch nicht sein, uns und unsere Kinder so lange zu regulieren, bis wir endlich alles aushalten, was uns dauerhaft nicht guttut.

Manchmal dürfen wir aufhören zu fragen:

Wie schaffen wir es, da irgendwie reinzupassen?

Und anfangen zu fragen:

Wie könnte es denn stattdessen gehen?

Genau darum geht es übrigens auch in meinem Bereich Anders Familie leben.

Denn das Leben ist wirklich zu kurz für „Weil man das halt so macht“.

Und was ist eigentlich mit mir als Mama?

Das ist der Teil, den wir ziemlich gerne vergessen.

Wir lesen darüber, wie wir unsere Kinder begleiten können.

Wie wir ruhig bleiben.

Wie wir co-regulieren.

Wie wir weniger schimpfen.

Wie wir Bedürfnisse erkennen.

Wie wir die Erwachsenen sein können, die unser Kind gerade braucht.

Und währenddessen steht unser eigenes Nervensystem irgendwo hinten in der Ecke und wedelt verzweifelt mit beiden Armen. 😄

Denn vielleicht betrifft das Ganze gar nicht nur dein Kind.

Vielleicht erkennst du dich selbst plötzlich in erstaunlich vielem wieder.

Vielleicht hörst du nicht nur den Lärm.

Du hörst den Lärm, spürst die Stimmung deines Kindes, bekommst den Streit im Nebenzimmer mit, siehst das Chaos, denkst gleichzeitig an die 17 Dinge, die du noch erledigen musst, irgendjemand fasst dich an und ein weiteres Kind sagt zum fünften Mal „Mama“.

Und jetzt sollst du bitte die wunderbar ruhige Erwachsene sein, die souverän durch den Gefühlssturm führt.

Ja. Klar. 😄

Für mich war das Verständnis meiner Kinder deshalb gleichzeitig ein Weg, mich selbst besser zu verstehen.

Warum mir manche Situationen so unglaublich viel Energie rauben.

Warum ich Ruhe brauche.

Warum ich die Gefühle anderer so stark mitbekomme.

Warum bestimmte Arten von Alltag für mich einfach nicht besonders gut funktionieren.

Und warum die Lösung nicht darin liegen kann, einfach noch belastbarer zu werden.

Ich musste vielmehr lernen, früher zu merken, wann mein eigenes System voll wird.

Denn Co-Regulation bedeutet nicht, dass ich immer vollkommen ruhig sein muss.

Aber es hilft verdammt, wenn ich überhaupt merke:

Oh. Ich bin gerade selbst in Lava.

Und vielleicht brauche ich erstmal etwas zu essen, Bewegung, einen Duft, ein paar Minuten Abstand oder schlicht kurz niemanden, der irgendetwas von mir möchte.

Nicht alles, was du fühlst, musst du auch tragen

Gerade als sensible Mama ist noch etwas anderes für mich riesig geworden:

Abgrenzung.

Ich habe lange unglaublich viel aufgenommen.

Die Stimmung meiner Kinder.

Die Anspannung eines anderen Menschen.

Einen Streit.

Schlechte Laune.

Die Atmosphäre in einem Raum.

Und wenn du ständig alles aufnimmst, ist irgendwann ziemlich schwer auseinanderzuhalten:

Was davon ist eigentlich gerade meins?

Mitgefühl bedeutet aber nicht, dass ich jede Emotion meines Kindes übernehmen muss.

Ich kann da sein.

Ich kann mitfühlen.

Ich kann begleiten.

Und trotzdem bei mir bleiben.

Das klingt so simpel.

Für mich war es das überhaupt nicht.

Aber je besser ich gelernt habe, mein eigenes Nervensystem wahrzunehmen und mich abzugrenzen, desto leichter ist auch die Begleitung meiner Kinder geworden.

Und interessanterweise haben ätherische Öle dabei für mich eine ziemlich große Rolle gespielt.

Ätherische Öle: eines unserer wichtigsten Werkzeuge für sensible Nervensysteme

Ätherische Öle begleiten uns schon seit vielen Jahren und gerade rund um Hochsensibilität, Nervensystem und Emotionen sind sie für mich eines unserer wichtigsten Werkzeuge überhaupt geworden.

Ich erlebe bei meinen Kindern und bei mir selbst immer wieder, wie fein wir Düfte wahrnehmen und wie gut wir sie deshalb in unseren Alltag integrieren können.

Wir nutzen sie zum Runterkommen, bei Ängsten, für starke Gefühle, beim Schlafen, für Fokus, vor aufregenden Situationen und immer wieder dann, wenn wir merken:

Hier wird gerade alles ein bisschen viel.

Und ganz ehrlich:

Es macht unser Leben so viel leichter.

Nicht, weil ein Öl die Wut wegmachen soll.

Darum geht es überhaupt nicht.

Mein Kind darf wütend sein. Es darf Angst haben. Es darf traurig, aufgeregt, enttäuscht oder völlig aus dem Häuschen vor Freude sein.

Aber es macht einen Unterschied, ob mich ein Gefühl komplett überschwemmt oder ob ich Werkzeuge kenne, die mir helfen, durch dieses Gefühl hindurchzugehen.

Genau dafür liebe ich die Öle.

Mehr Stabilität statt erst reagieren, wenn alles explodiert

Dabei geht es mir längst nicht nur um den akuten Moment.

Fast noch wichtiger finde ich die Grundstabilität.

Denn wenn mein System sowieso schon auf der letzten Rille läuft, braucht es nicht mehr besonders viel, damit die nächste Kleinigkeit mich komplett aus der Bahn wirft.

Deshalb nutzen wir Öle nicht nur dann, wenn schon Lava angesagt ist.

Bestimmte Düfte begleiten uns morgens, vor einem vollen Tag, nach vielen Eindrücken, beim Heimkommen oder abends.

Über Wiederholung können daraus richtige Duftanker werden. Ein bestimmter Duft gehört dann beispielsweise zum Runterfahren, ein anderer zu Mut oder Fokus oder zu einer vertrauten Abendroutine.

Und natürlich besteht Stabilität nicht nur aus ätherischen Ölen.

Schlaf, Essen, Bewegung, Pausen und eine gute Versorgung mit Nährstoffen spielen für mich genauso eine Rolle.

Gerade bei mir selbst merke ich einen gewaltigen Unterschied zwischen „mein Körper ist gut versorgt“ und „ich versuche seit drei Tagen, von Kaffee, Kinderbrotresten und guten Absichten zu leben“. 😄

Deshalb gehört für mich persönlich auch eine gute Nahrungsergänzung zu meiner Grundversorgung.

Nicht als noch eine Sache, die ich perfekt machen muss.

Sondern weil ich meinem Körper eine vernünftige Basis geben möchte, damit nicht sowieso schon alles auf Kante genäht ist.

Düfte als Anker für Abgrenzung und Schutz

Auch bei dem Thema, nicht immer alles aufzusaugen, sind Düfte für mich unglaublich wertvoll geworden.

Ich arbeite dafür beispielsweise gerne mit Teebaum oder On Guard.

Nicht, weil das Öl irgendeinen unsichtbaren Schutzschild um mich herum baut.

Sondern weil ich diese Düfte ganz bewusst mit Abgrenzung und Schutz verbinde.

Sie erinnern mich:

Ich muss nicht alles aufnehmen.

Nicht jede Stimmung gehört zu mir.

Nicht jede Emotion meines Kindes muss zu meiner werden.

Ich darf mitfühlen, ohne mit unterzugehen.

Und gerade als Mama hat mir das unfassbar geholfen.

Ängste und starke Gefühle begleiten

Dann gibt es natürlich die Situationen, in denen Gefühle wirklich groß werden.

Gerade Ängste können bei sensiblen Kindern eine enorme Rolle spielen.

Neue Situationen.

Veränderungen.

Trennung.

Erwartungen.

Dinge, die andere vielleicht überhaupt nicht als bedrohlich wahrnehmen und die sich für dieses Kind trotzdem riesig anfühlen.

Auch hier haben wir über die Jahre Düfte gefunden, die meine Kinder kennen und mit bestimmten Situationen verbinden.

Dasselbe gilt für Wut, Aufregung, Unruhe und Überforderung.

Und manchmal verändert ein Duft nicht die Situation.

Aber er verändert, wie wir durch die Situation gehen.

Genau das ist für mich der Punkt.

Ich möchte Gefühle nicht wegmachen.

Ich möchte meinen Kindern Werkzeuge mitgeben, mit denen sie irgendwann selbst merken können:

Okay. Das ist gerade richtig viel. Und ich weiß, was mir helfen kann.

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest du hier meine ausführlichen Artikel zur doTERRA Kids Collection, zu ätherischen Ölen gegen Stress und für starke Nerven und meinen großen Guide Ätherische Öle für Familien.

Vielleicht dürfen wir gemeinsam wieder lernen, mehr zu sein

Je mehr ich meine Kinder verstanden habe, desto mehr habe ich irgendwann auch darüber nachgedacht, was wir selbst eigentlich gelernt haben.

Sei nicht so laut.

Stell dich nicht so an.

Nimm dir das nicht so zu Herzen.

Reg dich nicht so auf.

Freu dich nicht zu früh.

Fall nicht auf.

Sei nicht anstrengend.

Sei bloß nicht zu viel.

Viele von uns haben ziemlich früh gelernt, einen Deckel auf sich zu legen.

Und dann bekommen wir Kinder, die sehr viel fühlen, sehr viel wahrnehmen und verdammt wenig Interesse daran haben, all das ordentlich herunterzudimmen, damit es für ihre Umwelt angenehmer wird.

Das kann einen ziemlich triggern.

Aber vielleicht ist es gleichzeitig eine Einladung.

Vielleicht dürfen wir gemeinsam mit unseren Kindern wieder lernen, dass wir nicht ständig weniger sein müssen.

Dass große Freude genauso Platz haben darf wie große Wut.

Dass wir Grenzen haben dürfen.

Dass wir Dinge anders brauchen dürfen.

Dass Sensibilität nicht automatisch Schwäche bedeutet.

Und dass wir nicht unser ganzes Leben damit verbringen müssen, uns passend zu machen.

Für mich steckt darin tatsächlich auch eine Form von Heilung.

Nicht, weil Hochsensibilität irgendetwas wäre, das geheilt werden müsste.

Sondern weil wir dabei vielleicht unsere eigenen alten Vorstellungen darüber loslassen können, wie viel wir eigentlich sein dürfen.

Dein Kind ist nicht „zu viel“

Vielleicht ist unser Ziel also gar nicht, dass unsere Kinder irgendwann weniger intensiv sind.

Vielleicht dürfen wir ihnen helfen, gut mit ihrer Intensität leben zu können.

Zu merken, wann es zu viel wird.

Zu wissen, was ihnen guttut.

Grenzen wahrzunehmen.

Werkzeuge zu haben.

Sich selbst immer besser kennenzulernen.

Und gleichzeitig all das zu behalten, was dieses Viel eben auch bedeutet.

Diese unfassbare Begeisterungsfähigkeit.

Das tiefe Mitgefühl.

Die Freude.

Die Intensität.

Das komplette Eintauchen in Dinge, die sie lieben.

Vielleicht dürfen wir sogar gemeinsam mit ihnen lernen, uns davon ein Stück zurückzuholen.

Nicht immer weniger zu sein, damit wir besser irgendwo reinpassen.

Sondern herauszufinden, was wir brauchen, um mit unserem ganzen Viel gut leben zu können.

Und wenn wir dabei feststellen, dass bestimmte Dinge für uns einfach nicht funktionieren, dürfen wir auch aufhören, immer nur zu fragen, wie wir sie besser aushalten können.

Wir dürfen fragen:

Wie könnte es stattdessen gehen?

Mein Kind ist nicht zu viel.

Ich bin nicht zu viel.

Vielleicht brauchen wir an manchen Stellen einfach andere Lösungen.

Häufige Fragen zu hochsensiblen Kindern

Ist Hochsensibilität eine Diagnose?

Nein. Hochsensibilität ist keine eigenständige medizinische oder psychische Diagnose. Der Begriff kann dabei helfen, bestimmte Muster in Wahrnehmung und Reizverarbeitung zu beschreiben und das eigene Kind besser zu verstehen. Nicht jedes intensive Verhalten muss deshalb automatisch mit Hochsensibilität erklärt werden.

Sind hochsensible Kinder immer ruhig und schüchtern?

Überhaupt nicht. Ein hochsensibles Kind kann zurückhaltend und beobachtend sein – oder laut, wild, kontaktfreudig und unglaublich willensstark. Sensibilität und Introvertiertheit sind nicht dasselbe.

Warum hat mein hochsensibles Kind so heftige Wutanfälle?

Manchmal ist der sichtbare Wutanfall nur das Ende einer langen Kette. Wenn ein Kind bereits über Stunden viele Reize, Anforderungen und Gefühle verarbeitet hat, kann eine scheinbare Kleinigkeit das Fass zum Überlaufen bringen.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf den Moment der Wut zu schauen, sondern auf das, was vorher passiert ist.

Brauchen hochsensible Kinder besonders viel Ruhe?

Viele sensible Kinder brauchen bewusste Zeiten mit weniger Reizen. Das muss aber nicht immer still auf dem Sofa liegen bedeuten. Manche Kinder regulieren sich über Rückzug, andere über Bewegung oder starken körperlichen Input.

Entscheidend ist deshalb nicht irgendeine allgemeine HSP-Regel, sondern herauszufinden:

Was hilft meinem Kind?

Kann ich als Mama ebenfalls hochsensibel sein?

Natürlich.

Und manchmal wird einem die eigene Sensibilität tatsächlich erst bewusst, wenn man anfängt, das eigene Kind besser zu verstehen.

Plötzlich ergeben Dinge Sinn, die man jahrelang einfach als persönliche Schwäche oder „Ich bin halt schnell gestresst“ abgespeichert hat.

Und vielleicht ist genau das eines der größten Geschenke auf diesem ganzen Weg:

Während wir lernen, unsere Kinder besser zu verstehen, lernen wir manchmal endlich auch uns selbst besser zu verstehen.


Wenn bei euch mal wieder die Nerven blank liegen …

Sonne, Sturm, Lava oder Eis?

Hol dir meinen kostenlosen Nervenkompass und erkenne schneller, was gerade in dir und deinem Kind passiert – und was ihr jetzt braucht.

Ein Spickzettel für große Gefühle, volle Köpfe und diese Momente, in denen euch als Familie einfach alles zu viel wird.

Ausdrucken, aufhängen und beim nächsten Gefühlschaos direkt zur Hand haben.

→ Nervenkompass kostenlos holen

* HINWEIS ZU GEKENNZEICHNETEN, WERBLICHEN LINKS:
Dieser Beitrag enthält ggf. Affiliate-Links, welche mit einem Sternchen (*) markiert sind. Für qualifizierte Käufe über diese Links erhalten wir eine Provision.

Hat dir der Beitrag gefallen?
Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen: