Vanlife mit Kindern - Reisefamilien erzählen - Norse Family - Familiengarten

Vanlife mit Kindern: Reisefamilien erzählen – Norse Family

Mit zwei kleinen Kindern im Wohnmobil leben und Europa bereisen? Wie kommt man darauf, wie finanziert man das und was ist das tolle an diesem Leben? Anna und Sascha erzählen aus ihrem Reiseleben.

Wir haben Anna und Sascha von der Norse Family auf unserer Reise durch Spanien kennengelernt und sind eine ganze Zeit zusammen gereist. Viele tolle Orte, tolle Gespräche und intensiv miteinander spielende Kinder verbinden uns. Deshalb habe ich den beiden direkt ein paar Fragen für meine Interviewreihe gestellt.

Wenn du den beiden ein Stück auf ihrer Reise folgen willst, schau doch auch mal auf ihrem Instagram Kanal vorbei.

Wie lange seid ihr schon mit euren beiden Kindern unterwegs?

Wir sind jetzt seit etwa vier Monaten mit dem Wohnmobil im europäischen Ausland unterwegs.

Wir sind aber schon im November 2020, also 3 Monate vorher aus unserem gemieteten Haus aus- und im Wohnmobil eingezogen. Leider wurden wir da sehr auf die Probe gestellt und konnten erst am 01.02.21 so wirklich in unser neues Leben starten.

Was war der Auslöser für euren aktuellen Lebensstil? Und wer von euch beiden war der Antreiber?

Die Antreiberin war ich, Anna.

Meine Tante und mein Onkel waren schon vorher einige Male den Winter über reisend im Süden Europas unterwegs und erzählten uns von Familien, die das mit ihren Kindern ganzjährig machten.

Gleichzeitig dazu wurde bei mir erneut die Frage laut, welche Alternativen es eigentlich zu konventionellen Schulen und unserem Schulsystem gibt und so stieß ich in Social-Media auf verschiedene Freilerner, Schulfrei-Gruppen und Reise-Familien.

Auslöser war aber weniger ein bestimmtes Ereignis, sondern die Summe vieler Erkenntnisse:

Beispielsweise arbeitete Sascha im Einzelhandel und sah seine Kinder oft nur morgens eine Stunde, abends waren sie meist schon am Schlafen.

Am Ende einer langen Liste mit Pro’s und einer kurzen Liste mit Contra’s war uns einfach klar:” Wenn nicht jetzt, wann dann?!”

Was ist das schönste am Vanlife mit Kindern und was ist das anstrengendste?

Die Kinder (lacht).

Wir glauben, dass es im Endeffekt nicht anstrengender ist als ein Leben mit Kindern ohne Vanlife.

Im Leben und im Leben mit Kindern gibt es immer wieder neue Herausforderungen, die manchmal kreative Lösungen erfordern, aber wir glauben, dass hier auch wieder einer der Vorteile vom Vanlife steckt: die Freiheit, vieles nach den eigenen Bedürfnissen und Wünschen zu gestalten.

Das schönste am Vanlife mit Kindern sind für uns die Momente, die wir sonst im Alltag verpasst hätten, weil wir einfach nicht zusammen gewesen wären.

Die leuchtenden Augen, sowohl bei den “großen” Eindrücken als auch bei der hundertsten hübschen Muschel.

Wo wart ihr bisher und wo zieht es euch noch alles hin?

Wir sind seit Februar in Andalusien und selbst ein bisschen erschrocken, wie die Zeit an uns vorbeizieht.

Vermutlich geht es zum Überwintern nach Griechenland und auf dem Weg dorthin warten ja auch noch viele schöne Länder auf uns.

Ein großer Wunsch ist es aber auf jeden Fall noch die Skandinavischen Länder zu bereisen und auch die Welt außerhalb von Europa zu erkunden.

vanlife Geschichten - Norse Family im Interview - Familiengarten

Was waren eure bisherigen Highlights?

Highlights waren bisher die Städte Sevilla und Cordoba, aber auch die Affen auf Gibraltar, die frei umherlaufenden Pferde und Rinder in Bolonia und ein wirklich unglaublich schöner See in der Sierra Nevada.

Der ergreifendste Moment und unser bisheriges Highlight, war aber ein Moment in der Nähe von Tarifa:

Es war einer der ersten Nächte, die wir zusammen draußen vor dem Wohnmobil standen, zusammen in eine Decke eingekuschelt und über uns unendlich viele Sterne. Der Blick nach vorn fiel auf das beleuchtete Marokko – Afrika. So fern und plötzlich so nah.

Klingt total kitschig, aber das war einer dieser Momente, bei dem sich ganz kurz alle Puzzelteile zusammengesetzt haben und sich alles einfach richtig anfühlte.

Was war der schwierigste Moment auf eurer Reise?

Der schwierigste Moment war mit Abstand, als unser erstes Wohnmobil in Nancy an einem Kolbenfresser verendete.

Wir hatten all unsere Zeit und unser Geld in dieses Wohnmobil gesteckt und standen plötzlich mit zwei kleinen Kindern in Frankreich, ohne zu wissen, wie es weiter gehen sollte.

Glücklicherweise haben Freunde uns zurück nach Deutschland geholfen und konnten uns Geld von der Familie leihen, um uns ein anderes Wohnmobil kaufen zu können. Unseren Opa Columbus. Innerhalb einer Woche haben wir alles nötige von dem einen ins andere Wohnmobil gepackt, Solaranlage und Toilette umgebaut und sind wieder los.

Welches ist eure liebste Reisegeschichte?

In der relativ kurzer Zeit haben sich schon einige lustige Reisegeschichten angesammelt.

Eine unserer liebsten Geschichten hat mit unseren liebsten Reisefreunden zu tun.

Ich war an diesem Tag schon ziemlich genervt und der Freisteh-Platz auf dem wir standen füllte sich über den Tag hin immer mehr mit Van’s.

Ehrlicherweise nervt es mich oft, wenn Mensch es nicht schafft, am späten Abend oder in der Nacht, die Schiebetüren leise zu schließen. Denn ein Kleinkind, dass davon jedes Mal wach wird, ist das nicht so cool.

Ziemlich nah neben uns parkte genauso ein Van mit Schiebetür. Sascha sagte, als sie an uns vorbei fuhren, sprach mein Gesicht Bände und er versteht bis heute nicht, warum sie nicht gleich auf dem Absatz umgekehrt sind. Im Laufe des Tages kam Sascha mit den beiden ins Gespräch und sagte anschließend zu mir, ich solle meinem Gesicht sagen, dass die beiden nett sind.

Und so war es dann auch.

Vom zweiten Augenblick an sind wir einander so ans Herz gewachsen, wie es manchmal bei langjährigen Freundschaften nicht der Fall ist. Daraus habe ich auf jeden Fall eine Lektion mitgenommen.

Habt ihr Pläne für die Zukunft? Welche sind das?

Erst mal reisen, so lange es möglich ist und uns allen gut tut.

Viel mehr Pläne haben wir nicht.

Wenn wir irgendwann wieder sesshaft werden, soll es nach bisherigen Wünschen ein Tiny House werden, aber das liegt erst mal noch in weiter Ferne.

Wir üben uns darin, das Leben zu nehmen, wie es kommt, denn es kommt selten wie geplant.

Hätte euch vor 5 Jahren jemand erzählt, dass ihr Vollzeit im rollenden Minihäuschen leben würdet, wie hättet ihr reagiert?

Vor 5 Jahren kannten Sascha und ich uns noch nicht mal.

Sascha hätte denjenigen mindestens ausgelacht, war er doch total der Stadtmensch, immer unter Leuten und total dem System treu.

Ich, Anna hätte mich ungläubig gefragt, wie ich das gemacht haben soll, denn ich war zu der Zeit um ehrlich zu sein, emotional und psychisch gerade in einer sehr schwierigen Situation. Vielleicht hätte mir das damals aber einen Funken Hoffnung auf eine tolle Zukunft gegeben.

Wie finanziert ihr euch dieses Leben?

Wir haben für mein Empfinden, großes Glück mit unseren Arbeitgebern.

Wir sind beide fest angestellt: Sascha bei Jacob Elektronik GmbH und ich bei einer Versicherungsmaklerin, meine Finanzexperten – Sandra Hermes e.K.

Ich war dort bereits vor unseren Reiseplänen tätig und auch nach der Geburt unseres kleinen Sohnes schon öfter mal im Homeoffice. So habe ich einfach gefragt, ob es denn einen Unterschied macht, ob ich 20km weiter im Homeoffice sitze, oder vielleicht 2000km weiter.
Manchmal muss man einfach mutig sein und fragen.
Sascha hatte davor einen Job bei dem Homeoffice nicht möglich gewesen wäre. Er hat einfach die Chance genutzt und sich beworben, als sein jetziger Arbeitgeber zwei Stellen im Homeoffice ausgeschrieben hatte.

Vanlife mit Kindern - Norse Family im Interview - Familiengarten

Was macht Vanlife für euch aus?

Durch das Vanlife fühlen wir uns um einiges freier und lebendiger.

Wir können uns jederzeit aussuchen, wo wir morgens aufwachen, wohin wir reisen, welche Menschen wir um uns haben möchten und wie wir unser Leben leben.

Ein Entkommen aus dem Hamsterrad, in dem irgendwie doch jeder Tag dem anderen gleicht und man eigentlich mehr nebeneinander funktioniert als miteinander zu leben.

Was würdet ihr anderen Familien raten, die auch vom Vanlife Abenteuer träumen?

Macht es!

Lieber den Versuch wagen und feststellen, dass es vielleicht nicht der richtige Weg war, als sich immer zu fragen, “was wäre gewesen, wenn…”

Zerbrecht euch nicht den Kopf über das, was eurer Meinung nach alles schieflaufen könnte und warum es (angeblich) nicht geht.

Vernetzt euch mit anderen Reise-Familien, die haben immer wertvolle Tipps und Ideen.

Konzentriert euch auf einen Schritt nach dem anderen, dann kommt einem der Weg dahin nicht mehr so groß und unschaffbar vor.

Vanlife in diesen herausfordernden Zeiten. Wie ging und geht es euch damit und wie habt ihr die Zeit verbracht?

Mit gemischten Gefühlen.

Als wir das erste Mal im Januar gestartet sind, hatten wir ein bisschen das Gefühl, auf der Flucht zu sein. Man wusste einfach überhaupt nicht mehr, wo welche Regeln galten.

Dieses Gefühl hat sich aber mit der Zeit gelegt, denn wir wurden in Spanien immer sehr nett und offenherzig behandelt und merkten schnell, dass sich vieles anders zeigte, als es zuvor vermittelt wurde.

Wir sind froh, dass wir unseren Weg weiter gegangen sind und auf unser Gefühl gehört haben.

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