Geburtsplan erstellen - natürliche Geburt - selbstbewusste Schwangere - Familiengarten

Geburtsplan: So kannst du ihn erstellen

Eine Geburt ist ein natürliches Ereignis, dass sich nicht planen lässt. Und doch kann ein Geburtsplan einen Unterschied machen. Er hilft dir, dich detailliert mit deiner Geburt auseinanderzusetzen und ist dein Sprachrohr unter der Geburt. Wie du ihn erstellen kannst und warum er für jeden Geburtsort empfehlenswert ist, liest du hier. Außerdem habe ich eine kostenlose Vorlage für deinen eigenen Geburtsplan zum Download für dich.

Eine selbstbestimmte Geburt ist leider keine Selbstverständlichkeit. Denn jede dritte Frau (!) in Deutschland erlebt eine traumatische Geburt. Ein Geburtsplan kann hier etwas vorbeugen. Denn dass eine Geburt als traumatisch empfunden wird, ist nicht einfach nur Schicksal. Zum einen könnte ein solcher Geburtsverlauf häufig schon mit einer intensiven 1 zu 1 Begleitung, mehr Zeit und dem passenden Geburtsort vermieden werden, zum anderen sind es aber oft auch Erwartungen oder Umstände, die sich die Gebärende völlig anders gewünscht hätte.

Während du jetzt akut nichts am miserablen Geburtssystem in Deutschland ändern kannst (sehr wohl aber längerfristig, zum Beispiel indem du hier eine bessere Geburtshilfe forderst), kann dir ein Geburtsplan helfen, deine Wünsche möglichst klar zu formulieren. Hier kannst du festhalten, wie du unter der Geburt behandelt werden möchtest, was dir für dein Baby und dich wichtig ist und worauf du lieber verzichten möchtest.

Die möglichst detaillierte Geburtsplanung im Vorfeld hat einige Vorteile und kann unabhängig vom gewünschten Geburtsort helfen, eine selbstbestimmte Geburt zu erleben. Was Frau noch tun kann, um trotz äußerst ungenügender Umstände eine möglichst selbstbestimmte natürliche Geburt zu erleben, habe ich hier ausführlich zusammengetragen.

Was ist ein Geburtsplan und wozu soll der gut sein?

Ein Geburtsplan ist ein möglichst übersichtliches Dokument, in dem du kurz und knapp festhältst, was dir für deine Geburt und dein Baby wichtig ist und was du für euch gerne vermeiden möchtest.

Denn nicht alles, was im Krankenhaus standartmäßig gemacht wird, muss zu dir und deinen Vorstellungen passen. Oder noch deutlicher, nicht alles, was im Krankenhaus routinemäßig durchgeführt wird, ist einer natürlichen Geburt förderlich.

Was eine Frau braucht, um sicher und selbstbestimmt gebären zu können, ist extrem verschieden. Selbst was als sicher empfunden wird, ist nicht für alle gleich. Während das für die eine ein möglichst gut aufgestelltes Krankenhaus mit Neonatologie bedeutet, fühlt sich die andere da am sichersten, wo sie sich geborgen und gut umsorgt fühlt.

Daher ist ein Geburtsplan eine große Hilfe für deine BegleiterInnen und für dich. Denn hier steht im Idealfall kurz und knapp für die meisten Eventualitäten drin, was du dir für dich und dein Baby wünschst. In der Hektik des Klinikalltags kann das deutlich leichter sein, als dass du dir erst mühsam Gehör verschaffen musst. Ein Geburtsplan ist also dein Sprachroh unter der Geburt.

Warum ist ein Geburtsplan für jeden Geburtsort empfehlenswert?

Auch wenn du eine außerklinische Geburt planst, kann ich dir einen Geburtsplan sehr empfehlen. Denn so setzt du oder noch besser ihr euch damit auseinander, was passiert, wenn deine Geburt nicht nach Plan läuft. Sollte es zu einer Verlegung kommen oder zu einem Kaiserschnitt, musst du dich nicht erst dann mit komplizierten Entscheidungen auseinandersetzen. Du hast dir über die wichtigsten Dinge bereits überaus gründlich Gedanken gemacht. Auch für deine Begleitung kann das ein sehr beruhigendes Gefühl sein.

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Welche Vorteile hat ein Geburtsplan?

  • Ein Geburtsplan setzt voraus, dass du dich intensiv mit deiner Geburt auseinandersetzt und dir schon vorher ausgiebig darüber Gedanken machst, was genau du willst und was eben nicht. Am allerbesten beziehst du auch direkt deine Begleitung mit ein.
  • Deine Begleitung hat all deine Wünsche direkt auf einen Blick. So kann nichts Wichtiges vergessen werden und wenn Entscheidungen für dich getroffen werden müssen, ist klar, was du dir wünschst.
  • Das intensive Auseinandersetzen mit deiner Geburt ist ein großer Pluspunkt. Denn Wissen ist Macht. Je mehr du aktiv über die Vorgänge deiner eigenen Geburt Bescheid weißt, desto leichter kannst du Entscheidungen treffen. Du bist aktive Gestalterin deiner Geburt und nicht nur passive Empfängerin.
  • Je mehr du dich vorab mit deiner Geburt beschäftigst, desto mehr steigerst du dein Selbstbewusstsein.
  • Dank deinem Geburtsplan können alle HelferInnen auf den ersten Blick sehen, was dir wichtig ist und du brauchst es nicht immer und immer wieder zu betonen.
  • Mit einem Geburtsplan setzt du dich nicht nur mit deiner Wunschgeburt auseinander, sondern überlegst dir auch, was dir bei Plan B wichtig ist. Sollte es zu unerwarteten Situationen kommen, bist du gut vorbereitet und musst nicht plötzlich Entscheidungen treffen, von denen du überfordert bist.

Wie sieht ein Geburtsplan aus?

Es gibt keine Vorgaben wie ein Geburtsplan auszusehen hat. Aber ist ein Geburtsplan kurz, prägnant und handlich, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass er auch gelesen wird. Eine ausführliche Abhandlung über mehrere Seiten passt dagegen eher weniger in den oft hektischen Klinikalltag, ist aber auch bei einer außerklinischen Geburt nicht zwingend praktikabel. Deshalb kann ich dir nur raten, dich in deinem Geburtsplan möglichst kurz, aber konkret auszudrücken. Eine A5 Größe ist meiner Meinung nach am handlichsten, passt sie doch super in den Mutterpass, wo sie immer sofort griffbereit ist.

Geburtsplan erstellen: So weißt du, was dir bei deiner Geburt wichtig ist und welche Eingriffe du nicht möchtest

Vermutlich fragst du dich, wonach du jetzt entscheiden sollst, was genau du dir für die Geburt wünschst und was nicht?

Hierfür kann ich dir das Buch und Hörbuch „die selbstbestimmte Geburt“ sehr empfehlen. Hier wird detailliert jede routinemäßige Maßnahme betrachtet und Vor- wie Nachteile davon abgewogen. Bei Bookbeat* kannst du dir dieses Buch über diesen Link einen Monat lang kostenlos anhören. Hier gibt es aber auch noch weitere hilfreiche Hörbücher rund um die selbstbestimmte Geburt und natürlich auch zu vielen anderen spannenden Themen.

Auch die Bücher „Hypnobirthing“ und „Alleingeburt“ (unabhängig von der Geburtsart zu empfehlen, denn hier steht einfach unglaublich viel Wissen drinnen) sind zur Vorbereitung empfehlenswert. Außerdem kann ich dir den Film „Die sichere Geburt“ von Carola Hauck ans Herz legen.

So erstellst du deinen Geburtsplan

Folgendende Fragen kannst du dir bei der Erstellung deines Geburtsplans überlegen:

Geburtsort

  • Wo möchtest du dein Kind zur Welt bringen? Zu Hause, im Geburtshaus, im Krankenhaus und soll es eine Wassergeburt werden?
  • Wünschst du dir eine besondere Atmosphäre während der Geburt und soll es bestimmte Musik geben?

Geburtsbegleitung

  • Wen möchtest du bei deiner Geburt dabeihaben?
  • Bringst du eine Beleghebamme oder eine Doula mit?
  • Wünschst du dir überwiegend die Begleitung einer Hebamme oder ist dir eine Ärztin oder ein Arzt wichtiger?
  • Soll dein(e) PartnerIn dabei sein? Oder bist du lieber allein?

Untersuchungen und Interventionen

  • Möchtest du vaginale Untersuchungen ohne Indikation?
  • Willst du einen Ultraschall ohne Indikation zur Messung der Größe und des Gewichtes des Kindes? (diese sind kurz vor der Geburt extrem ungenau und führen oft zu Folgeinterventioen)
  • Möchtest du einen standartmäßigen Zugang gelegt bekommen?
  • Ist es ok für dich, dass deine Fruchtblase ohne vorherige Absprache geöffnet wird?
  • Möchtest du einen Dammschnitt haben oder ist dir ein Dammriss lieber?

Geburtsposition

  • Möchtest du dich jederzeit frei bewegen können und deine Geburtsposition selbst wählen können?
  • Willst du eine dauerhafte ctg Überwachung?
  • Strebst du eine Wassergeburt an?

Schmerzmittel

  • Möchtest du Schmerzmittel angeboten bekommen oder fragst du lieber selbst danach?
  • Bevorzugst du naturheilkundliche Medizin?
  • Möchtest du eine PDA?

Direkt nach der Geburt

  • Möchtest du die Nabelschnur auspulsieren lassen?
  • Oder soll Nabelschnurblut entnommen werden?
  • Wer soll die Nabelschnur durchtrennen?
  • Möchtest du dein Kind selbst in Empfang nehmen?
  • Soll dir dein Kind direkt gegeben werden oder soll es erst gewaschen werden?
  • Möchtest du der Plazenta Zeit lassen?
  • Willst du die Plazenta sehen und mit nach Hause nehmen?
  • Wünschst du generelle eine Vitamin K Gabe oder soll sie vom Geburtsverlauf abhängig gemacht werden?
  • Möchtest du eine ambulante Geburt?
  • Wünschst du dir ein Familienzimmer falls du nicht direkt nach Hause gehen kannst?
  • Möchtest du dein Kind Vollstillen und wünschst du dir hierfür Begleitung?
  • Soll dein Baby einen Schnuller bekommen oder nicht?
  • Möchtest du eine Zufütterung vermeiden?

Im Falle eines Kaiserschnitts

  • Soll deine Geburtsbegleitung dabei sein?
  • Strebst du eine Kaisergeburt an?
  • Möchtest du sofort mit dem Bonding beginnen und dein Baby auf dir haben?
  • Sollte eine Trennung nötig sein, soll deine Begleitung mitgehen?

Was du dir davon wünschst und was nicht, ist natürlich total individuell. Ich empfehle dir, dich vorab möglichst genau damit auseinanderzusetzen und zu schauen, mit was es dir gutgeht. Auch kannst du natürlich noch weitere Punkte haben, die dir wichtig sind.

Deine Überlegungen kannst du übersichtlich in einem Dokument zusammenfassen und am besten in A5 in zwei bis dreifacher Ausführung auf dickeres Papier drucken. So kannst du deinen Geburtsplan immer griffbereit im Mutterpass aufbewahren.

Hier findest du eine Vorlage für deinen Geburtsplan als Pdf. Zur Hilfestellung einmal mit den oben aufgelisteten Fragen und einmal blanko zum Ausfüllen ganz nach deinen eigenen Bedürfnissen.

Geburtsplan erstellen - So geht's - inklusive Vorlage - selbstbestimmte Geburt - Familiengarten

Ich wünsche dir alles Gute und Liebe für deine Geburt!

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