Mut zum Reisen mit Kindern - Familiengarten

Über-Mut: Braucht es Mut, um mit Kindern auf Langzeitreise zu gehen?

Die Wohnung ist aufgelöst, die Sachen verkauft, der Job an den Nagel gehangen und los geht`s in unser neues Leben: Mitten rein ins Abenteuer Vanlife mit Kindern. Ist das Mut oder Leichtsinn, der uns da antreibt und was ist Mut eigentlich?

 

 

„Wie mutig, dass ihr das wirklich durchzieht und aufbrecht.“

 

Kaum einen Satz hören wir so häufig wie diesen, wenn wir davon erzählen, dass wir unsere Wohnung aufgegeben haben und mit unseren Kindern in den Wohnwagen gezogen sind.

 

Aber braucht es wirklich Mut, um das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten?

 

In diesem Beitrag schaue ich mir das mal näher an. Was ist Mut eigentlich und ist es mutig, den eigenen Träumen nachzugehen?

Tatsächlich fühlt sich eine solche Aussage jedes Mal aufs Neue ziemlich merkwürdig an. Denn ich halte uns nicht für mutig. Im Gegenteil. Wir beide schauen keine Horrorfilme, weil uns das zu sehr Angst einjagt. Mich gruselt es außerdem ganz oft im dunkeln. Dazu bin ich mega Schreckhaft und habe Angst mich zu erschrecken… Nicht gerade mutig, oder?

 

Warum wir auch ohne Mut mit unseren Kindern aufgebrochen sind

 

Die Antwort ist im Grunde einfach. Es ist nichts, wovor wir Angst hatten.

Ja, da war ein mulmiges Gefühl und die aktuelle Lage hat uns das ein oder andere Mal auch ins Wanken gebracht. Aber ingesamt war da mehr ein freudiges Kribbeln im Bauch. Ein nervöses Warten auf den Sprung ins Abenteuer.

Klar, war das nicht von Angang an so. Es war ein Prozess, in den wir reingewachsen sind. Wir haben viel Zeit gehabt, uns darauf vorzubereiten. Was zunächst mit einem “das geht nie und nimmer” Gefühl begann, wurde nach und nach klarer und möglicher.

Je mehr wir uns damit auseinandersetzten, je mehr wir unsere Glaubenssätze und Ängste anschauten, je mehr wir uns mit anderen Familien austauschten, die diesen Weg schon vor uns gegangen waren, desto weniger mulmig wurde uns. Zudem hatten wir die Mögichkeit bei unseren Freunden von Textilsucht ganz Hautnah mitzuerleben, wie so ein Schritt ins Reiseleben ablaufen kann. Wir konnten Fragen stellen und uns vorbereiten.

Der waghalsige Traum wurde mit der Zeit zum Plan. Etwas, dass mit jedem Tag greifbarer wurde und das wir ganz schlicht und ergeifend machen wollten. Wir bearbeiteten Hinderniss um Hinderniss, schafften Zweifel beiseite und stellten bestimmte Weichen für unser Ziel.

Wir wollten das und irgendwann war klar: wir machen das! Nicht alles war perfekt ausgeklückelt und doch gab es einen groben Rahmen, an dem wir uns entlang hangeln konnten. Weil es sich richtig anfühlte. Weil wir nicht auf unser Leben warten wollten. Weil wir jetzt unseren Kindern die Welt zeigen wollten und weil da ganz tief in uns drinnen eine unfassbar laute Stimme war, die uns antrieb.

 

Vom Mut und der Angst zu Scheitern

 

“Übermut tut selten gut.”

Dieses Sprichwort scheinen viele Menschen als innere Leitstimme verinnerlicht zu haben. Bloß nichts wagen, bloß nichts riskieren, denn immerhin könnte es auch schiefgehen. Und klar, das stimmt.

Was aber, wenn es gut geht?

Was, wenn es besser wird?

Das alles können wir nicht wissen, wenn wir nie etwas probieren.

Und was ist schiefgehen überhaupt?

Wir wissen nicht, ob uns das Gelingen wird. Was auch immer das eigentlich ist. Denn hier liegt wohl ein weiterer entscheidender Unterschied. Wir sehen unsere Reise nicht als ein Projekt, nicht als etwas, dass scheitern kann.

Wir können nicht scheitern, weil das Wort scheitern nicht in unseren Köpfen existiert. Wir probieren aus, wir gehen mal vor und dann wieder ein paar Schritte zurück. Manchmal drehen wir uns auch im Kreis. Sollten wir hinfallen, stehen wir wieder auf, sortieren uns neu und laufen weiter. So, wie sonst auch im Leben. 

Diese Langzeitreise ist ein Abschnitt unseres Lebens. Ein Weg, den wir gehen. Wie lang dieser ist und wohin er uns führen wird, wissen wir nicht. Aber er fühlt sich gut an und das ist das entscheidende für uns.

Wir tauschen das vermeintlich sichere Leben, das nicht zu uns gepasst hat, gegen das Abenteuer. Ich schreibe vermeintlich, denn wirklich sicher ist dieses Leben nicht, auch wenn es uns immer und immer wieder eingeredet wird. Wir können Versicherungen für alle möglichen Eventualitäten abschließen, wir können minutiös unser gesamtes Leben durchplanen und doch sind wir nicht sicher. Denn:

„Das Leben ist immer lebensgefährlich.“

Gerade jetzt, bekommen wir das alle bestens aufgezeigt.

 

Ist das Mut oder einfach nur Leben?

 

Dass, was viele als Mut bezeichnen, ist in meinen Augen einfach Leben. Für mich würde es deutlich mehr Mut erfordern, unsere Wünsche und Träume zu ignorieren und auf den passenden Moment im Leben zu warten. Denn das erscheint mir wirklich riskant.

Was, wenn er nie kommen wird?

Was, wenn du ihn schlicht und ergreifend nicht erkennst?

Es wird immer zig Unbekannte geben und am Ende wartet auf uns alle das Gleiche. In meinen Augen geht es nicht darum die Zeit dazwischen möglichst sicher durchzustehen, sondern sie mit kostbaren Momenten zu füllen. Erinnerungen zu schaffen, Eindrücke aufzusaugen, den Horizont zu erweitern. Zu Leben halt.

Reisen ist eine Möglichkeit das zu tun und für uns jetzt in diesem Moment die richtige Wahl.

 

Und wenn es uns nicht (mehr) gefällt?

 

Keine Entscheidung ist für ewig. Wir können immer wieder einen anderen Weg wählen. Immer wieder kleine und große Schritte anders setzen. Bedürfnisse ändern sich, Voraussetzungen bleiben nicht immer gleich und auch Ansichten sind wandelbar. Immer wieder können wir unseren Leitstern anders setzen und unser Leben neu ausrichten.

Und genau deshalb können wir auch wieder zurück. Wobei das nicht ganz stimmt. Denn wir können nicht wieder an den Punkt, an dem wir losgelaufen sind. Immerhin haben wir unsere Erlebnisse und unsere Erinnerungen im Gepäck. All das wird uns verändern und bereichern, sodass wir nicht mehr exakt die Gleichen sein werden.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mehr bereuen würden, nicht losgegangen zu sein als es nie ausprobiert zu haben. Denn das, was wir am Ende unseres Lebens am meisten bedauern, sind nicht die „Fehler“, sondern die verpassten Gelegenheiten.

Unser Leben findet gerade statt, nicht erst in 15 oder 20 Jahren. Auch nicht erst Übermorgen. Deshalb leben wir jetzt unser Leben so wie wir es uns erträumen und entecken gemeinsam mit unseren Kindern die Welt.

 

“The only thing standing between you and your goal is the bullshit story you keep telling yourself as to why you can’t achieve it.”


Jordan Belfort ―
(gesehen bei Geh mal Reisen)
 

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