Ohne Kindergarten - muss man sich das leisten können - Familiengarten

Ohne Kindergarten – Muss man sich das leisten können?

Möchtest du dein Kind zu Hause betreuen, aber glaubst, ohne Kindergarten zu leben, ist nur etwas für Besserverdiener? Hast du in diesen Zeiten vielleicht gemerkt, dass es deinem Kind zu Hause besser geht, und fragst dich, wie ihr weiterhin kindergartenfrei leben könnt?

„Ohne Kindergarten muss man sich aber auch erstmal leisten können.“, ist eines der häufigsten Argumente gegen das kindergartenfreie Leben. Aber ist das wirklich so? Können nur Besserverdiener ohne Kindergarten leben und alle anderen haben Pech gehabt?

In diesem Artikel schaue ich mir das mal genauer an und zeige Stellschrauben auf, wie sich auch “Normalsterbliche” ein Leben ohne Kindergarten leisten können.

Viele, die dieses Argument heranziehen, wollen sich kindergartenfrei gar nicht wirklich leisten. Deshalb möchte ich zunächst betonen, dass sich nicht jede Familie ein Leben ohne Kindergarten finanzieren können muss. Weder müssen alle Familien so leben (wollen) noch müssen sich alle Menschen dafür rechtfertigen, warum sie nicht kindergartenfrei leben. Dies gilt aber bitte auch umgekehrt!

Spannend wird die Frage eigentlich auch erst, wenn Kita oder Kindergarten für euch nicht in Frage kommen. Sei es, weil es nicht euren Werten entspricht, sei es, weil euer Kind dort schlicht und ergreifend nicht hin gehen will oder weil ihr Sorge habt, dass sich eine Fremdbetreuung negativ auf euer Kind auswirken könnte. Oder aber weil ihr in den jetzigen Zeiten festgestellt habt, dass das Kind doch entscheidend mehr davon profitiert zu Hause zu sein. Dass es das Familienleben vielleicht insgesamt harmonischer macht.

Das alles sind wichtige Gründe, die dazu führen sollten, die eigene Lebenssituation genauer anzuschauen. Ist das bei dir der Fall, möchte ich dir mit diesem Beitrag Mut machen und zeigen, dass ein Leben ohne Kindergarten nicht zwangsläufig nur für Besserverdiener ist.

Fühlen sich dagegen alle so wohl, wie es ist, braucht es vermutlich keine Veränderung. Sprich, dann muss sich auch niemand ein Leben ohne Kindergarten leisten können wollen oder müssen.

Ohne Kindergarten: Auch eine Sache von Prioritäten

Nicht alle Familien können es sich leisten ohne Kindergarten zu leben. Das stimmt. Jedenfalls nicht einfach so. Denn wie mit allen anderen Dingen im Leben, ist auch kindergartenfrei eine Sache von Prioritäten. Die wenigsten Menschen können sich alles einfach so leisten, auch wenn das von außen oft so aussieht. Sie treffen Entscheidungen, die wiederum bestimmte Konsequenzen mit sich bringen. So entscheiden sich einige Familien ganz bewusst dafür, ohne Kindergarten zu leben und stecken dafür an vielen anderen Stellen zurück. Welche das sind und wie das konkret ausgestaltet ist, ist von Familie zu Familie unterschiedlich. Und freilich ist auch kindergartenfreies Leben mit entsprechenden Finanzen leichter umzusetzen als ohne. Wie in allen anderen Lebensbereichen auch.

Bei vielen anderen Familien ist diese Entscheidung eine Reaktion auf das Kind. Im Vordergrund steht, dass es dem Kind oder auch der Familie insgesamt nicht gut geht. Danach werden Lösungen gesucht, wie ein Leben ohne Kindergarten ermöglicht werden kann.

Mir ist bewusst, dass es vielen Familien kaum mehr möglich ist, etwas an ihren Prioritäten zu verändern, da sie schlicht und ergreifend nicht die Mittel dafür haben. Das ist eine Schande und muss sich dringend ändern. Denn es braucht vor allem unbeschwerte Familienzeit, um glückliche und erfüllte Kinder heranwachsen zu lassen. Was Familien hierfür brauchen, ist hoch individuell, weshalb es dringend mehr Wahlmöglichkeiten und individuelle Unterstützungsmöglichkeiten für Familien bedarf. Sich das als Gesellschaft zu leisten, sollte kein Luxus sein, sondern eine Selbstverständlichkeit. Immerhin wachsen gesunde und glückliche Kinder zu ebensolchen Erwachsenen heran, die dann das leistungsstarke Fundament der Gesellschaft bilden. Also auch aus der profitorientierten Perspektive macht es keinen Sinn, Familien so kaputtzurichten, wie es heute mehrheitlich geschieht.

Dennoch bin ich davon überzeugt, dass sich weit mehr Menschen kindergartenfrei leisten könnten, als die meisten denken. Außerdem sind zwar politische Veränderungen dringend nötig, auf diese aber zu warten, halte ich für den falschen Weg. Wir müssen selbst aktiv werden und uns dafür einsetzen, aber auch für uns selbst schauen, was in unserem ganz persönlichen Bereich des Möglichen ist.

Ohne Kindergarten - auch für Normalverdiener möglich - Familiengarten

Kindergartenfrei: Die Ausgangslage ist überall anders

Ganz allgemein ist jede Familie anders. Wir alle haben völlig unterschiedliche Lebensrealitäten und verschiedene Voraussetzungen. Die einen leben im Einfamilienhaus, die nächsten in der Mietswohnung, die einen arbeiten im Schichtdienst, die anderen haben gut bezahlte Jobs in Führungspositionen. Andere sind alleinbegleitend, wieder andere sind auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Dazu kommt aber auch, dass einige kaum oder nur sehr geringe Kinderbetreuungskosten aufbringen müssen, während das bei anderen unter anderem auch durch Geschwisterkinder anders aussehen kann. Denn das ist nicht nur von Bundesland zu Bundesland verschieden, es unterscheidet sich auch zwischen den einzelnen Kommunen und den jeweiligen Trägern mitunter erheblich. Dank dem Gute-Kita-Gesetz, dass eine große Summe in die Kassen der Länder für Kinderbetreuung spült, die relativ beliebig eingesetzt werden kann, fallen vielerorts keine oder nur geringe Betreuungskosten an. Denn statt das zusätzliche Geld in dringende Qualitätsverbesserung zu stecken, haben sich einige für die Beitragsfreiheit entschieden. Das ist aber längst nicht überall so.

Dass wiederum bringt ganz grundlegend andere Voraussetzungen für ein Leben ohne Kindergarten mit sich. Denn während einigen durch diese Entscheidung Geld „fehlt“, sparen andere Familien durch den Wegfall vorhandenerer Kosten welches ein. Dann nämlich, wenn aufgrund von Geschwisterkindern ohnehin ein Elternteil zu Hause ist und diese möglichweise auch wenigstens zwei vielleicht sogar drei Jahre zu Hause betreut werden sollen.

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Den Ist-Zustand überprüfen

Wenn die Frage der Prioritäten geklärt ist und das kindergartenfreie Leben dort einen der vordersten Plätze erhalten soll oder auch muss, lohnt es sich euren Ist-Zustand einmal genauer zu betrachten und diesen zu überprüfen. Aber auch eure Motivation spielt eine Rolle. Denn eine Antwort auf das Warum zu haben, kann stark motivieren und aufzeigen, warum man dafür an anderer Stelle möglichweise Abstriche macht.

Schaut euch genau an, wie viel Einkommen ihr zur Verfügung habt, überlegt welche Ausgaben ihr habt und überprüft welches Geld möglicherwiese wegfallen würde, wenn ihr ohne Kindergarten leben wolltet. Auf der anderen Seite ist genau gegenzurechnen, welche Mehrkosten durch die Betreuung anfallen. Also neben Gebühren auch Essensversorgung, Fahrtkosten und gegebenenfalls auch so Dinge wie ein Zweitauto. Bei einer solchen sehr detaillierten Auflistung kommt doch häufig recht interessantes heraus. Vorausgesetzt ihr habt nicht den Vorteil einer kostenfreien Ganztagsbetreuung und ihr arbeitet nicht unbedingt Vollzeit.

Unabhängig vom Ergebnis erachte ich ein solches Vorgehen als sehr sinnvoll. Denn es führt uns vor Augen, was wir wirklich haben und was uns wichtig ist. Ein eigenes Haus zu haben, ist beispielsweise toll. Es ist aber (oft) auch Luxus, den man sich leisten (wollen) muss. Und dafür gilt es wohlmöglich an anderen Ecken einzustecken.

Worauf ich hinaus will, ist, wir alle treffen Entscheidungen darüber, was wir uns leisten wollen und können. Diese Dinge müssen nicht für immer so sein, sie lassen sich auch jederzeit anpassen und neudenken. Sich das bewusst zu machen, schafft Freiheit. Freiheit selbst zu entscheiden, ob wir denn das wirklich alles brauchen und ob es uns der Verzicht an anderer Stelle eben wert ist.

Außerdem möchte ich euch einladen, „outside the box“ zu denken. Versucht kreativ auf euren Ist-Zustand zu blicken und findet Wege, die ihr verändern und anpassen könnt. Fragt euch, was ihr unbedingt braucht, was ihr liebt und worauf ihr vielleicht verzichten könntet. Dann könnt ihr überlegen, was ihr aus der jeweiligen Situation machen wollt.

Der Wille zur Veränderung

Wie schon erwähnt, können sich nur die wenigsten Familien kindergartenfrei einfach so leisten. Meist geht diese Entscheidung mit einigen grundlegenden Veränderungen einher. Wer aber seine Prioritäten kennt und das eigene Leben dahingehend ausrichten möchte, findet dafür in den meisten Fällen Mittel und Wege.

Das Problem bei solchen Veränderungen ist, dass man sich teilweise ganz schön verändern muss. Es ist eine echte Herausforderung liebgewonnenes aufzugeben und raus aus der eigenen Komfortzone zu kommen, aber es kann auch wirklich befreiend sein.

Wie stark Veränderungen nötig sind, hängt natürlich vom bisherigen Lebensstil ab und auch von der finanziellen Situation der Familie.

Grundlegend gibt es zwei verschiedene Ansätze, um ein Leben ohne Kindergarten zu realisieren: Die eine Variante ist, die Ausgaben zu reduzieren, die andere ist zu schauen, wie die Einkommensseite entweder konstant gehalten oder aber erhöht werden kann. Denn es muss nicht immer zwangsweise ein Einkommen komplett wegfallen.

Ohne Kindergarten - wenn das liebe Geld nicht wäre - Familiengarten

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Ohne Kindergarten? Ausgaben reduzieren

Um die Ausgaben zu reduzieren, macht es Sinn sich erstmal einen genauen Überblick aller Ausgaben zu verschaffen. Was gebt ihr wofür aus und wo gibt es eventuell Einsparpotential, dass euch idealerweise auch nicht weh tut.

So „verzichten“ wir beispielsweise auf teure Auslandsurlaube in Hotels. Wir campen stattdessen und haben „nur“ in den beiden Elternzeiten größere Reisen unternommen. Zudem kaufen wir fast alles gebraucht. Wir haben beide keine teuren Hobbies und essen selten auswärts. Wir haben auch kein Haus. Auch haben wir unsere Stadtwohnung gegen ein Gartenhaus getauscht, damit wir im Winter reisen können.

Für uns fühlt sich das alles nicht nach Verzicht an und das ist meiner Meinung nach das Entscheidende. Hätte ich nun stehts und ständig das Gefühl mir alles vom Mund abzusparen und mir nichts leisten zu können, wäre das sicher anders. Tatsächlich ist aber auch nicht das Leben ohne Kindergarten der einzige Grund für unseren Lebensstil, sondern auch unsere Überzeugung und was uns eben wichtig ist. Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig, außerdem passt ein All inklusiv Urlaub schlicht und ergreifend nicht zu uns.

Kindergartenfrei: Einkommen erhöhen

Es muss nicht zwangsläufig ein Einkommen wegfallen. Es gibt die unterschiedlichsten Familien- und Lebensmodelle. Auch muss es selbstverständlich nicht die Frau sein, die sich primär um die Kinder kümmert. Von gemeinsamer eins zu eins Aufteilung, bis hin zu beide Arbeiten in Selbstständigkeit über arbeiten in versetzten Schichten bis hin zum Online Business. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten.

Dein Job gibt das aber nicht her? Hast du es denn schon versucht? Rede mit deiner Chefin oder deinem Chef – oft gibt es Lösungen, auch wenn man sie gar nicht sieht. Gerade jetzt hat sich ja gut gezeigt, dass für viele Arbeiten Homeoffice doch eine Möglichkeit ist.

Schau über den Tellerrand. Vernetze dich mit anderen selbstbetreuenden Familien. Hör dich um, wie andere das für sich lösen. Und sollte es wirklich so sein, was ist mit dem Job deines Partners? Oder lässt sich die Stundenzahl vielleicht verringern? Lassen sich Teile deiner Tätigkeit auslagern? Vielleicht ist aber auch was ganz anderes die Idee und der Schlüssel, der auch dich glücklicher macht?

Was ich sagen will ist, probiere es oder denk zu mindestens mal genauer darüber nach.

Der Punkt ist der, du bist für dein Leben verantwortlich. Bist du unglücklich oder dein Kind, dann versuch es zu ändern. Das geht ganz oft auch nicht von jetzt auf gleich. Manchmal braucht es vielleicht etwas Zeit, um einen solchen Weg zu ebnen. Ein Ansatzpunkt hier wäre alternative Möglichkeiten fürs Arbeiten zu finden oder aber Gleichgesinnte zu suchen, mit denen ihr euch in Eltern- oder Mütterteams oder auch auf ganz andere Art und Weise unterstützen könnt. Oder gibt es vielleicht noch andere Stellschrauben, an denen du drehen kannst?

Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Umsetzung.

Vielleicht ist aber auch eine Gemeinschaftliche Kinderbetreuung was für dich und ein Weg, wie du Arbeit und Kinderbetreuung doch noch unter einen Hut bekommen kannst? Was genau es damit auf sich hat und wie du selbst eine gründen kannst, liest du nächste Woche im Gastbeitrag von Helen Müller. Das willst du nicht verpassen? Dann trag dich doch hier in meinen Newsletter ein.

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2 Kommentare zu „Ohne Kindergarten – Muss man sich das leisten können?“

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