Ohne Fremdbetreuung? Wie du andere Selbstbetreuer finden kannst

Die Spielplätze sind häufig gähnend leer, die meisten Kinder unter der Woche durch Kindergarten und Zusatzaktivitäten völlig ausgebucht und an den Wochenenden ist meist Familienzeit. Wie kannst du als Selbstbetreuer dann aber andere Kinder und noch dazu andere Elternkontakte finden? Wie kannst du dir ein Netz von Gleichgesinnten aufbauen?

Kindergartenfrei zu leben, kann einige Vorteile haben, wenn es aber um die Vernetzung zu anderen Familien geht, wird es oft schwierig. Haben sich doch in den Kindergärten häufig schon feste Gruppen gefunden und ist es auch über Kurse oder Krabbelgruppen nicht ganz so einfach geeignete Kontakte zu knüpfen. Zu unterschiedlich sind die Lebensrealitäten, zu verschieden oft auch die Anischten. (Was natürlich nicht heißen soll, dass man sich nicht trotzdem gut verstehen und treffen kann.)

Vor allem in bedürfnisorientierter Hinsicht habe ich es als extem schwierig empfunden. Klar müssen nicht alle Selbstbetreuer sein und nicht alle genau gleich ticken, aber ein paar grundlegende Gemeinsamkeiten erleichtern einen guten Eltern-Kinder-Kontakt natürlich sehr. Auch finde ich es einfach immens hilfreich, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen und uns gegenseitig zu stärken. Denn Kindergartenfrei und mit so mach anderer Einstellung zur Kindererziehung und zum Leben allgemeinen, habe ich mich von meinem Umfeld häufig völlig unverstanden und manchmal gar wie ein Alien gefühlt. Ein Netzwerk aus ähnlich denkenden Menschen und ihren ähnlich aufwachsenden Kindern hilft da wirklich ungemein. Und natürlich ist es einfach wunderbar mit anderen Kindern auf Entdeckungstour zu gehen und ins freie Spiel zu kommen.

Vom Online-Clan zum eigenen Kindergartenfrei-Treff

Als wir uns dazu entschieden, das Wirbelmädchen aus dem Kindergarten zu nehmen, hatte ich mir bereits einen recht gut funktionierenden und rückenstärkenden Online-Clan aufgebaut, der mir in vielen Momenten sehr viel Kraft gegeben hat. So war ich in vielen bedürfnisorientierten Facebook Gruppen unterwegs und stellte fest, dass auch andere Eltern ähnliche Probleme haben und dass auch andere Babys so viel schreien. Nun ging ich also auf die gezielte Suche nach kindergartenfrei Gruppen, in denen ich mich zu unseren Überlegungen austauschen konnte und die mich letztlich darin bestärkten, auf unser Gefühl zu hören und den Weg ohne Kindergarten zu wagen.

Im echten Leben habe ich mich da schon ein wenig schwerer getan. Natürlich hatten wir unsere Freunde, aber die meisten von ihnen waren noch kinderlos. Die anderen fingen wieder an zu arbeiten, als die Kinder 1 Jahr alt waren und hatten demzufolge deutlich weniger Zeitkapazitäten. Wir hatten also so gänzlich andere Lebensrealitäten und ich sehnte mich immer mehr nach einem Offline-Clan, der eben auch unter der Woche verfügbar ist.

Ich stieß auf die online Plattform Kindergartenfrei.org, auf der sich Selbstbetreuer registrieren und vernetzen können und die gleichnamige Facebook Gruppe. Auch suchte ich bei Ebay Kleinanzeigen. Tatsächlich fand ich hier einen Eintrag von Claudia, die auf der Suche nach anderen Selbstbetreuer Familien war. Wir schrieben und verabredeten uns. Sie verteilte zusätzlich noch Flyer und gründete eine regionale Facebook Gruppe, von denen es mittlerweile sehr viele gibt. Sie bieten neben Austausch mit Gleichgesinnten auch die Möglichkeit, nach richtig echten Selbstbetreuer Kontakten in deiner Nähe zu suchen, schau da doch unbedingt mal vorbei. Ich kümmerte mich dann um einen Raum im Familienzentrum. Dort trafen wir uns einmal wöchentlich und hatten mit einem Mal unser eigenes kleines Kindergartenfrei-Treff. Unsere Gruppe wuchs recht schnell, obwohl wir nicht wirklich groß Werbung machten und plötzlich hatten wir unseren kleinen Kursraum gesprengt, waren wir doch mit einem Mal acht bis zehn Selbstbetreuer Mamas mit meist zwei Kindern.

Schnell stellten wir fest, dass uns nicht nur der Selbstbetreuer Gedanke eint, sondern wir fast alle sehr ähnliche alternative Vorstellungen vom Leben und vom Umgang mit unseren Kindern haben. Wir alle haben diese Treffen unglaublich genossen. Denn im realen Leben auf ähnlich tickende Menschen zu stoßen, ist natürlich noch mal was ganz anderes als in der Facebook Blase. So richtig echte Menschen zu treffen und mit ihnen im Gespräch zu sein, stärkt noch mal ganz anders. Denn auch wenn ich sehr überzeugt von unserem Weg bin, gibt es diese Momente des Zweifelns natürlich trotzdem. Kritik und Unverständnis lässt mich nicht immer einfach kalt, es trifft mich, auch wenn ich das gar nicht will.

Werde selbst aktiv

Du hast auf diesen Plattformen schon geschaut, aber findest niemanden?

Wie wäre es deinen Radius ein wenig zu vergrößern? Klar, spontane Treffen sind Goldwert, aber auch mit ein wenig mehr Distanz lässt es sich vielleicht leben?

Außerdem kann ich dir nur raten, werde selbst aktiv. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es meist am einfachsten ist, die Ruder selbst in die Hand zu nehmen. Vor allem aber ist es auch befreiend und fühlt sich gut an. Denn man muss sich nicht Schicksalhaft seinem Leben hingeben. Man kann ganz aktiv auch selbst tätig werden. Mache einen Aushang im Familienzentrum, im Bioladen, im alternativen Familiencafé, auf dem Spielplatz. Schalte selbst eine Anzeige bei eBay Kleinanzeigen und schreibe einen Aufruf in der Kindergartenfrei Facebook Gruppe. Trage dich bei kindergartenfrei.org ein oder schau doch mal bei anderen alternativen Gruppen vorbei? Freilerner, aber auch Stoffwindeleltern und Trageeltern können ein Anhaltspunkt sein, auch gibt es unerzogene Regionalgruppen oder vielleicht gibt es eine Ökogruppe? Bei Sophie von Mütterimpulse findest du auch eine Vernetzungskarte zum Eintragen. Es müssen ja vielleicht nicht alles hundertprozentige Selbstbetreuer sein. Vielleicht gibt es an anderen Punkten Überschneidungen bzw. sind in diesen Grppen eben auch viele Selbstbetreuer zu finden. Oder gibt es vielleicht ein Geburtshaus, Trageberatung, Ökoladen?

Oder gehe vormittags auf Spielplätze und spreche die Leute dort einfach an? Zugegeben, für mich wäre das nichts. Aber ich habe Nicole so kennengelernt. Sie hat mich einfach direkt gefragt und ich war ganz schön perplex. Schnell hatten wir einige Gemeinsamkeiten festgestellt und schwupps hatte ich ihr von unseren Treffen erzählt. Es kann wirklich unglaublich schnell gehen. Dass es nicht immer zwischenmenschlich auch passen muss, sei vorsichtshalber erwähnt. Denn Kindergartenfrei ist natürlich kein Garant dafür, dass Mensch sich auch versteht. Dennoch kann es eine gute gemeinsame Basis sein, aus der sich sogar Freundschaften für Kinder und Mütter entwickeln können.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Suchen!

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