Belle Family am Strand - vanlife mit kindern - Familiengarten

Vanlife Familien erzählen: Geschichten aus dem Reiseleben mit Kindern

Vanlife mit Kindern? Was für die einen der absolute Traum ist, ist für andere nur schwer vorstellbar. Wie es sich mit drei Kindern und Hund im Wohnmobil lebt, was den Reiz einer solchen Langzeitreise ausmacht und welche Herausforderungen es gibt, liest du hier im Interview.

Liebe Belle, du lebst mit deiner Familie schon eine ganze Weile im Wohnmobil. Magst du dich kurz vorstellen?

Hallo und vielen lieben Dank für die Einladung zu diesem Interview. Ich freue mich total, dass wir hier ein bisschen aus unserem Leben erzählen dürfen. Ich bin Belle von Belle Family und bin seit 2018 mit meinen drei Kindern, meinem Mann und unserem Hund unterwegs. Wir haben in Deutschland unser komplettes Hab und Gut aufgelöst und sind ins Wohnmobil gezogen. Unsere Jüngste war damals gerade mal 4 Monate alt, der Mittlere wurde 4, der Große 7. Seitdem reisen wir im Wohnmobil quer durch Südeuropa.

Was war der Auslöser für euren aktuellen Lebensstil? Und wer von euch beiden war der Antreiber?

Auslöser war, dass wir uns für unsere Kinder eine freie und selbstbestimmte Kindheit gewünscht haben. Sie sind auch kindergartenfrei aufgewachsen, weil wir uns einfach nicht vorstellen konnten, sie abzugeben. Wir hatten uns damals einige Kindergärten angeschaut und waren überhaupt nicht zufrieden mit dem, was wir dort gesehen haben. Wir sind immer sehr spontan reingekommen, ohne Voranmeldung. Ganz bewusst, um einfach mitten ins Leben zu kommen. Ich habe da auch Sachen gesehen, die ich für mein Kind nicht wollte.

Dann habe ich mir eine kitafrei community aufgebaut und erkannt, dass sehr viele Mütter in meiner Gegend leben, die ihre Kinder auch kitafrei aufwachsen lassen. Dann sind wir aufs Thema Freilernen gekommen und haben uns Vorträge von Bertrand Stern und André Stern angehört und Filme wie „Alphabet“ und „Beeing and Becoming“ geschaut. Wir haben erkannt, dass es auch andere Möglichkeiten im Leben gibt, seine Kinder zu bilden. Das war der Auslöser für unseren Lebensweg.

Ich war da schon die treibende Kraft, während mein Mann anfangs doch sehr skeptisch war. Aber er hat sich mit entwickelt und irgendwann war es auch für ihn stimmig.

Belle Family - vanlife mit kindern - spielende Kinder am Strand - Familiengarten

Was ist das schönste am Vanlife mit Kindern?

Das schönste ist, dass wir einfach überall anhalten können, wo es uns gefällt und das ist sehr oft auch mitten in der Natur. Die Kinder lieben das einfach total. Sie brauchen auch gar nicht viel Spielzeug. Sie finden ständig irgendwas in der Natur und immer wieder irgendwelche tollen Abenteuer, die sie erleben können. Alles ist total entschleunigt.

Wir können so viele Orte einfach bereisen. Sehenswürdigkeiten, antike Stätten, Museen. Das ist super spannend. Die Kinder haben das, was sie in der Schule in Büchern sehen würden, direkt vor Auge. Sie können sich ganz anders reinfühlen. Es ist Lernen auf einem ganz anderen Level. Das geht noch mal direkt unter die Haut. Egal ob jetzt Naturkunde, weil wir eine tolle Flora und Fauna haben, oder uns eine Schuldköte oder eine Eidechse über den Weg läuft. An Eidechsen wurde mal eine ganze Weile lang geforscht, weil sie das total spannend fanden. Oder auch zu Vulkanen.

Heimatmuseen finden sie total spannend oder historische Orte, archäologische Stätten. Es ist mega interessant für die Kinder und hat einen besonderen Lerneffekt, der zudem auch noch Spaß macht.

Das schönste ist einfach diese Freiheit. Dass die Kinder ausschlafen und draußen bleiben können, solange sie wollen. Da ist kein Nachbar, der sich beschwert. Das ist alles nicht da. Hier können die Kinder einfach frei spielen und das ist wunderbar.

Es gibt sicher auch anstrengendes. Was ist das für dich?

Das anstrengendste beim Vanlife finde ich einkaufen. Das fand ich schon in Deutschland besonders anstrengend. Beim Vanlife ist es noch mal schwieriger, weil erstmal das ganze Wohnmobil startklar gemacht werden muss. Wir machen es mittlerweile so, dass wir dann alles auf einmal machen: Gas auftanken und Wasser, wenn es denn auch notwendig ist. Sodass man das dann alles mit einem Schwupp erledigt hat und wieder eine längere Zeit an einem Ort stehen kann, ohne wieder irgendwann irgendwas erledigen zu müssen. Alleine nur die Vorbereitung ist anstrengend. Das ist dann aber eben ein Tag, dann ist es auch wieder gut.

Ein weiterer Punkt, den viele Vanlifer als anstrengend empfinden ist schlechtes Wetter. Da zählen wir uns eher nicht zu, denn ich freue mich eigentlich, wenn es auch mal schlechteres Wetter gibt. Dann haben die Kinder auch wieder mal Zeit für uns. Wir machen es uns dann immer so richtig gemütlich und haben Zeit uns Geschichten vorzulesen oder zusammen zu basteln, einen Film zu gucken oder zu malen. Die Kinder sind halt sonst wirklich sehr selbstständig und verbringen viel Zeit mit sich selbst und mit ihren Freunden draußen. Daher bin ich dann oft auch dankbar, wenn es mal regnet.

Allerdings kommen Regentage auch nicht sehr häufig vor. Wir haben da echt immer Glück gehabt und reisen meist mit Sonne im Rücken.

Ab und zu streiten sich Geschwister natürlich auch mal. Aber da haben wir auch Möglichkeiten sich aus dem Weg zu gehen. Entweder raus in die Natur, in den Alkoven, aufs Heckbett, den Fahrerbereich oder an den großen Tisch. Wir haben ja ein ziemlich großes Wohnmobil, da ist genug Platz und es gibt genügend Ausweichmöglichkeiten, sodass jeder auch seine Ruhe haben kann.

Wie findet ihr andere Familien unterwegs?

Die reisenden Familien sind sehr gut vernetzt. Wenn wir zum Beispiel eine andere Familie wieder treffen wollen, dann schreiben wir uns einfach per Whatsapp oder rufen uns an und verabreden uns. Auch hier in Griechenland sind wir über 6 Monate immer wieder mit Familien zusammengereist. Das war total schön. Aber jetzt nach 6 Monaten ist es auch voll schön, mal wieder Zeit nur für uns und die Familie zu haben. Aber die nächste Familie wartet schon wieder.

Wo wart ihr bisher und wo zieht es euch noch alles hin?

Wir haben bisher den kompletten Süden Europas erkundet. Gestartet sind wir von Deutschland aus nach Frankreich, Spanien, Portugal, dann wieder nach Spanien über Frankreich nach Italien bis nach Sizilien, dann Slowenien, nach Österreich, über Italien nach Griechenland. Hier stecken wir erstmal fest und wissen auch nicht, wie es weitergehen soll. Mögliche Optionen wären jetzt Türkei, Albanien Bulgarien oder Rumänien fände ich auch total spannend. Ich wollte immer mal nach Transsylvanien.

Ich frage mich die ganze Zeit, wo wir den nächsten Winter verbringen werden. Da wir ja jetzt den Süden Europas schon einmal durch haben, würde ich gerne auch mal außerhalb Europas sein. Da müssen wir dann schauen, wie wir uns das Ermöglichen und wohin es überhaupt gehen soll. Auch speziell in der jetzigen Situation.

Den Norden Europas hätte ich auch sehr gerne noch gesehen. Das wäre dann aber eine Sache, die wir dann eher im Frühling und Sommer machen sollten. Wenn wir jetzt hier losfahren, wäre es dort wohl schon fast wieder zu kalt, bis wir ankommen. Für uns jedenfalls. Wir haben aber tatsächlich auch eine Familie kennengelernt, die im Winter mit dem Wohnmobil nach Lappland gefahren ist und dort jede Menge Spaß hatte. Für uns wäre das wohl doch zu kalt.

Belle Familiy - vanlife mit kindern - kinder auf dem Berg - Familiengarten

Was waren eure bisherigen Highlights?

Platz Nummer eins war ganz klar Portugal und ganz speziell die Algarve. Dort haben wir auch sehr viele Familien kennengelernt. Die Strände Portugals sind einfach traumhaft schön. Leider ist es so, dass das Freistehen dort nicht mehr erlaubt ist. Das ist daher leider kein gutes Reiseziel mehr für uns.

La Herradura, Granada und Andalusien waren auch einfach toll. In der Gegend von La Herradura ist das Worldschooling Andalucia, wo jede Woche Family meet ups am Strand stattfinden. Hier haben wir wirklich viele Familien kennengelernt.

Sizilien fanden wir auch traumhaft schön und Griechenland zählt definitiv auch zu unseren Highlights. Der Elia Beach war traumhaft schön und überhaupt gibt es wirklich wunderschöne Ecken hier. Wer weiß, was noch alles kommt.

Habt ihr Pläne für die Zukunft?

Wir haben noch nicht mal Pläne was wir Morgen machen (lacht). Wir leben total nach Bauchgefühl und nach unserer Intuition. Wir gucken, wo wir uns wohlfühlen, fahren sehr langsam und sind sehr entschleunigt.

Viele sagen schon, dass wir das ja nicht ewig mit unseren Kindern machen können. Die wollen doch auch mal an einem festen Ort leben. Irgendwann wollen sie das vielleicht. Jetzt sind sie aber glücklich. Natürlich werden wir uns umstrukturieren müssen, wenn eines unserer Kinder oder wir selbst mal andere Bedürfnisse entwickeln. Das sehen wir jetzt aber noch nicht.

Hätte euch vor 5 Jahren jemand erzählt, dass ihr Vollzeit im rollenden Minihäuschen leben würdet, wie hättet ihr reagiert?

Ich hätte das sofort bestätigt, weil das schon immer mein Traum war. Mich hat die totale Reiselust gepackt als ich mit 19 das erste Mal ganz auf mich gestellt ins Auslandspraktikum nach England geflogen bin. Ich habe gemerkt, wie schön diese Welt ist.

So ein Freiheitsgefühl und so eine Sehnsucht nach dem Reisen hatte ich aber auch als Kind schon sehr stark ausgeprägt. Ich habe Zäune total gehasst. Ich habe das einfach nicht verstanden, warum ich auf diese Kuhwiese nicht durfte. Ich wollte doch aber genau dort runterrollen. Ich fand Begrenzungen einfach schlimm. Auch hatte ich das Gefühl, dass ich woanders hingehöre. Wohin, das weiß ich bis heute nicht. Aber mich hat es immer schon weggezogen. Ich wäre also schon immer einfach eingestiegen.

Für Andi war das erst anders. Er konnte sich das gar nicht vorstellen und hat am Anfang gedacht, ich sei jetzt total verrückt, als ich plötzlich ein Wohnmobil kaufen wollte. Aber mit der Zeit hat sich das bei ihm auch entwickelt und huete kann er sich auch nicht mehr vorstellen nach Deutschland zurückzugehen, wieder in einem fixen Job zu arbeiten und in einem Haus zu leben. Nicht innerhalb Deutschlands. Vielleicht irgendwann mal, aber nein. Ich kann es mir gerade gar nicht vorstellen.

Wie finanziert ihr euch dieses Leben?

Ich habe schon 2015 angefangen mir zu überlegen, wie ich Geld verdienen kann. Weil mir damals viele gesagt haben, dass ich doch nicht meinem Mann ständig auf der Tasche liegen kann. Ich wollte beweisen, dass ich auch irgendwie Geld verdienen kann, aber eben gleichzeitig meine Kinder betreuen kann. Ich habe dann angefangen Websites aufzubauen, die mir ein monatliches passives Einkommen generieren und das ist bis heute unsere Haupteinnahmequelle. Gleichzeitig arbeiten wir beide als Webdesigner. Zudem bieten wir Beratung im Bereich Vanlife mit Kindern, Leben im Wohnmobil und das Wohnmobil autark ausrüsten an. Andi ist ja Elektrotechniker und ist spezialisiert auf Solarmodule und Solaranlagen für Wohnmobile. Auch welches Wohnmobil man sich anschaffen und worauf man achten sollte, wenn eine Langzeitreise geplant ist, ist unser Thema.

Was macht Vanlife für euch aus?

Vanlife ist für uns einfach ein total befreiendes Gefühl. Du kannst jederzeit den Ort wechseln, wenn es dir irgendwo nicht gefällt. Du kannst dir die Orte aussuchen, wo du gerne stehen möchtest. Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Ich kann es gar nicht richtig erklären.

Auch andere inspirierende Menschen zu treffen, gehört für mich dazu. Man trifft wirklich aller Nase lang ganz tolle Menschen. Es ist ein so schönes Gefühl Menschen zu treffen, mit denen man auf einer Wellenlänge ist. Man lernt so unglaublich viel. Es ist einfach wunderschön.

Die Uhren ticken ganz anders. Ich habe oft gar kein Zeitgefühl mehr. Ich weiß nicht welchen Tag wir haben, wie viel Uhr oder welches Datum es ist. Dieses Gefühl im hier und jetzt zu leben und das Leben einfach zu genießen, ist unbeschreiblich.

Belle Family - vanlife mit Kindern - Andi am Strand - Familiengarten

Was würdet ihr anderen Familien raten, die auch vom Vanlife mit Kindern träumen?

Macht es! Ihr seid alle Unternehmer eures Lebens. Ihr könnt entscheiden, wie euer Leben aussehen soll. Ich habe früher immer gesagt, ach das könnte ich niemals. Wie soll ich mir das nur ermöglichen. Aber es gibt Möglichkeiten. Wenn du dieses Ziel vor Augen hast und diesen intensiven Wunsch. Wenn deine innere Stimme so stark ist und ganz klar sagt, „Ich will dieses Leben haben“, dann kommen die Wege. Sie öffnen sich. Du gehst durch diese Tür und bist drin.

Sobald ein Aber kommt, blockierst du dich und schränkst dich sofort selbst ein. Überlege stattdessen, was du dafür tun musst, um dieses Leben zu leben. Was muss ich tun, damit ich dort hinkomme? Und es wird laufen. Es kommt in euer Leben. Ihr müsst es machen und euch dafür frei machen.

Vanlife in diesen herausfordernden Zeiten. Wie ging und geht es euch damit und wie habt ihr die Zeit verbracht?

Natürlich war das Vanlife vorher entspannter. Man musste sich weniger Gedanken drum machen, wo man hin will, über welche Grenze man fährt und welche Bestimmungen und Maßnahmen wo gelten. Dennoch ist das Reisen möglich und wir sind weiterhin entspannt. Was sollen wir auch in Panik geraten, dass bringt ja alles nichts.

Vielen Dank für die Einladung. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Allen, die sich das auch für ihr Leben wünschen, kann ich nur raten, macht es. Der Weg kommt ganz automatisch in euer Leben, wenn eure innere Stimme so stark ist.

Vanlife-mit-Kindern - Belle Family - Familiengarten

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