Urlaub zu Hause: Unser Sommer 2018

Gemütlich schaukele ich in der Hängematte hin und her, die Vögel zwitschern, die Sonne scheint und ich genieße den Blick übers Wasser. Herrlich, so fühlt sich Urlaub an! Und das tollste daran? Wir sind keine halbe Stunde von Zuhause entfernt. Auch wenn ich definitiv Fernweh geplagt bin und nichts lieber täte, als endlich wieder in die weite Welt zu düsen, kommt hier mein Plädoyer für einen Urlaub zu Hause.

erschwerte Urlaubsplanung

Lange hatten wir überlegt, wohin es denn gehen könnte: Italien, Elsass, Bauernhof oder doch nach Mallorca? Unsere Akkus brauchten dringend eine Pause, aber Herr Familiengarten hatte nicht wirklich viel Zeit.

Dazu kommt, dass gerade unser Wirbelmädchen eine ziemlich lange Eingewöhnungsphase braucht. Sie ist dann so aufgeregt und hibbelig, dass das Schlafen meist nicht richtig klappt und so wirbelt sie stattdessen den gesamten Tag völlig überdreht hin und her und findet absolut keine Ruhe. Auf und ab, hoch und runter, begleitet von einem konstanten Redefluss, wuselt es unaufhörlich um uns herum. Die Kompromissbereitschaft geht gegen minus, der Geduldsfaden ist nicht vorhanden – an eine Pause ist so für keinen von uns zu denken. Es dauert meist zwei bis drei Tage bis der Spuk vorbei ist und wir alle wieder einigermaßen rund laufen – pro Strecke wohlgemerkt. Das macht unsere Urlaubsplanung natürlich nicht unbedingt leichter.

Wir sind damit sicher nicht allein.

Gerade für Familien mit mehreren kleinen Kindern ist die Urlaubsplanung oft nicht gerade einfach, gilt es doch eine Menge Komponenten zu beachten. Die Anreisezeiten sollten nicht zu lang sein, die Umgebung muss kinderfreundlich sein, es sollte keine allzu langen Wartezeiten beim Essen geben und passen denn auch die Essenszeiten für die ganze Familie? Können die Kinder so lange ruhig sitzen oder ist es am Ende mehr Stress für alle Beteiligten?

So ein Familienurlaub kann ganz schön Nerven und jede Menge Geld kosten. Kommen da dann noch unterschiedliche Urlaubsvorstellungen und Erwartungen dazu, ist es um die Erholsamkeit oft nicht allzu gut bestellt.

Es muss aber nicht immer der große Urlaub in die Ferne sein. Gerade mit kleinen Kindern kann Urlaub zu Hause oder in der Umgebung mitunter am entspannteten sein. Genau aus diesem Grund haben wir den vergangenen wundervollen Sommer zu Hause und im direkten Umfeld verbracht.

Stress rausnehmen, Ruhe reinbringen und den Urlaub so zu gestalten, dass wir möglichst alle maximale Erholung bekommen, war die Devise. Denn wir alle hatten es mehr als dringend nötig. Einmal rundum durchatmen und Zeit miteinander genießen. Das geht problemlos auch zu Hause beziehungsweise in der näheren Umgebung. Erst recht, wenn der Sommer so fantastisch ist wie letztes Jahr.

Von komplett zu Hause, übers Zelt bis zum Wohnwagen, haben wir verschiedene „Zu-Hause-Urlaubsvarianten“ ausprobiert und stellen euch hier unsere Vor- und Nachteile vor.

Urlaub zu Hause – der erste

Ende Mai entschieden wir uns zu einem kleinen Urlaub zu Hause. Knapp eine Woche hatten wir dank Feiertag für uns Zeit. Wir verbrachten die Tage im Garten, werkelten hier ein bisschen, bastelten dort ein wenig und hatten endlich mal ein bisschen Zeit für unsere Projekte. Die Kinder gaben sich ganz der Natur hin und entdeckten jede Menge aufregendes: Sie beobachten Schnecken, spielten Lagerfeuer, buddelten im Sand, untersuchten Pflanzen und jede Menge Krabbeliges. Am Ende des Tages fielen dreckverschmierte glückliche Kinder ins Bett und wir hatten endlich mal das Gefühl, durchzuatmen. Den einen Regentag verbachten wir in der Therme. Der krönende Abschluss war ein Gemeinschaftswochenende mit zwei anderen Familien auf einem Hof hier ganz in der Nähe.

Wir hatten einen wunderbar ruhigen und erfüllten Urlaub zu Hause, der uns noch dazu nichts gekostet hatte. Abends schliefen wir in unserem großen bequemen Familienbett in vertrauter Umgebung. Es gab keine ewig lange Eingewöhnungszeit, wir mussten nichts (bzw. kaum etwas) packen. Außerdem verbrachten wir die wenige Zeit drinnen in einer kinderfreundlichen und -sicheren Umgebung – unserem Zuhause. Nichts konnte vergessen werden und auch die Anreisezeit entfiel. Perfekt. Am Ende waren wir runderneuert, hatten wieder jede Menge Kraft und Energie gesammelt und auch so manchen kleinen Eintrag auf der To Do Liste abgehakt. Uns war klar, dass wir einen solchen Urlaub definitiv wiederholen werden.

Zelturlaub in der Nähe

Lange mussten wir auf einen weiteren Urlaub zu Hause bzw. ganz in unserer Umgebung gar nicht warten. Uns und vor allem mich hat es leider schon recht bald wieder ganz schön niedergestreckt. Die anhaltende Hitze in der Stadt, gepaart mit zu wenigen Pausenzeiten für mich, hatten mir ziemlich zu schaffen gemacht. Eine Pause musste her und zwar schnell. Da unser Garten leider keinen Platz für unser Zelt hat, noch eine andere Schlafmöglichkeit dort vorhanden ist, musste etwas anderes her. Denn ein echter Tapetenwechsel war diesmal nötig. So entschieden wir uns kurzer Hand auf einen Campingplatz in der Nähe zu fahren, von dem aus Herr Familiengarten sogar ein paar Tage auf Arbeit pendeln konnte. Wir machten also keinen direkten Urlaub zu Hause, waren aber in unmittelbarer Nähe.

Wir haben nicht nur Geld, sondern auch jede Menge wertvolle Fahrtzeit und vor allem Nerven gespart, wir standen nicht im Stau, mussten auf keinen Flieger warten und haben einfach ziemlich spontan gemacht, wonach uns der Sinn stand. Wunderbar. Auch wenn unser Papa tagsüber trotzdem fehlte, ging es uns an der Luft und in der Natur weitaus besser als in der heißen aufgeladenen Stadt. Der Wald war zum Greifen nah und der perfekte Ort für die Hochsommerhitze. Auch der Wasserspielplatz war wie geschaffen für das Wetter. Zum Baden sind wir dagegen trotz des Stausees in unmittelbarer Nähe nicht gekommen. Das lag zum einen daran, dass mir das alleine mit zwei kleinen Kindern definitiv zu viel Abenteuer war, zum anderen aber auch an der Wasserqualität.

die zähe Eingewöhnungsphase bleibt nicht aus

Leider hatten wir aber selbst bei dieser Urlaubsvariante mit einer doch recht langen Eingewöhnungszeit zu tun, was wohl durch die Hitze auch zusätzlich verstärkt wurde. Auch war der Aufenthalt im Zelt bei den Temperaturen für uns relativ schwierig. Die Kinder kamen erst äußerst spät zur Ruhe, wurden durch die Hitze aber deutlich zu früh wieder rausgetrieben, was sich dann tagsüber leider stark bemerkbar machte. Auch ein Mittagsschlaf für den Strahlemann war schwierig zu organisieren, war es doch einfach überall zu heiß.

Aufgrund des anhaltenden Sommerwetters war auch gerade am Wochenende jede Menge los, was sich vor allem nachts zu einer ziemlich lauten Geräuschkulisse führte. Und auch für Herrn Familiengarten war diese Zeit zwiegespalten, hatte er doch durch die zusätzliche Fahrtzeit und einige logistische Hürden, am Ende deutlich mehr Stress als zu Hause.

Manchmal ist es schon eine echte Herausforderung alle verschiedenen Bedürfnisse innerhalb einer Familie unter einen Hut zu bekommen. Die Erholung hätte also durchaus mehr sein können, dennoch war unser beinahe Urlaub zu Hause auch diesmal wieder ein Erfolg. Wir hatten eine gute Zeit in der Natur und haben das stetige draußen sein sehr genossen. Trotzdem gab es einigen Optimierungsbedarf, den wir kurze Zeit später direkt in Angeriff nahmen.

Gemeinschaftsurlaub in der Umgebung

Ich fühlte mich in unserer Wohnung einfach absolut unwohl. Es war zu heiß, um sich in der Stadt aufzuhalten und alles glich einem immensen Kraftakt. Den ganzen Tag drinnen zu verbringen empfand ich bei diesem traumhaften Sommer denoch als viel zu schade. Ich sehnte mich nach einem einfachen Draußensein und einer leichteren Kontaktaufnahme zu anderen Menschen. Da kam mir das Freilerner Sommercamp des Bundesverband natürlich Lernen! e.V. in Auerstedt mehr als gelegen. Ein weiterer Zeltaufenthalt kam für mich allerdings nicht in Frage, würde ich doch auch hier den Großteil der Zeit „alleine“ mit den Kindern sein. So entschlossen wir uns kurzerhand einen Wohnwagen zu mieten und somit spontan zu testen, ob unsere Optimierungstheorie denn auch praktisch stimmt.

große Wohnwagenliebe

Und definitiv ist so ein Wohnwagen ein echter Mehrgewinn. Bietet die Wohnwagen–Bus-Kombination doch die nötige Flexibilität spontane Auszeiten in der Nähe zu nehmen (und dennoch auch weiterhin mobil zu sein) und dabei vor allem zwar draußen zu sein, aber auch einen eigenen wettergeschützten Rückzugsbereich zu haben, in dem es sich relativ ungestört ausschlafen lässt. Optimal. Preislich war das dann natürlich nicht mehr ganz so topp. Da wir aber privat gemietet hatten, hielt sich der Mietpreis dennoch in Grenzen. Wir haben uns tatsächlich gleich verliebt und somit unser Vorhaben eines Wohnwagenkaufs bestätigt.

Unser Gemeinschaftsurlaub hat sich definitiv gelohnt. Wir hatten eine wunderbare Zeit mit unglaublich viel wertvollem Input und tollen Kontakten und waren vor allem den Großteil des Tages draußen. Das Wirbelmädchen hatte eine wunderbar aufregende Woche und war dank zahlreicher Spielpartner eigentlich kaum mehr zu sehen. Für den Strahlemann war es leider nicht ganz so einfach. Ihm haben die Hitze und die vielen fremden Menschen ganz schön zugesetzt, weshalb auch ich ordentlich gefordert war.

Am Ende der Woche waren wir aber definitiv alle angekommen. Wir hätten also durchaus noch eine Woche mehr in Gemeinschaft vertragen können, hat sich diese Zeit für uns doch absolut stimmig angefühlt. Viel draußen sein, in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, Angebote für Groß und Klein, das bringt definitiv jede Menge Erleichterung für uns alle. Somit war dies auch eine willkommene Bestätigung, dass wir mit unserem Familiendorf und dem Familiengarten auf dem richtigen Weg sind. Die Nähe zum Zuhause war auch hier wieder ein großer Vorteil, konnte doch Herr Familiengarten trotzdem arbeiten fahren. Auch hatte es mir die Anfangsentscheidung deutlich erleichtert, denn wäre es für uns alle nichts gewesen, hätten wir uns jederzeit wieder nach Hause zurückziehen können. So einen Notausstiegsplan im petto zu haben, ist ja total nach meinem Geschmack.

Warum in die Ferne schweifen?

Wie ihr seht, braucht es gar nicht viel, um eine schöne Zeit zu verbringen. Gerade wenn der Sommer so fantastisch ist, sind für uns Natur und gerne auch ein paar gleichgesinnte Weggefährten mehr als ausreichend. Auch brauchen wir kein großes Programm. Im Gegenteil, wir Großen wünschen uns einfach einen Ort zum Durchatmen und mal Pause machen. Und auch für die Kinder braucht es nicht viel: Stöcke, Wasser, Sand und eine Umgebung, in der sie sich frei bewegen können, hilft ihnen oft am meisten. Andere Angebote können da eher hinderlich sein, überreizen sie sie doch häufig ganz schön schnell.

Auch sollte bei der Urlaubsplanung bedacht werden, dass man die eigenen Themen nicht einfach zu Hause lassen kann. Sie wollen gesehen und bearbeitet werden, unabhängig vom Aufenthaltsort. Ist also einfach grundlegend was im Argen, hilft auch ein Urlaub in weiter Ferne selten wirklich weiter. Beziehungsweise kann er die Probleme unter Umständen gar verschlimmern, paaren sich doch dann schnell noch jede Menge Erwartungen dazu.

Die finanzielle Sicht sollte meiner Meinung nach auch nicht vernachlässigt werden, lässt sich mit einem Urlaub zu Hause doch definitiv einiges an Geld sparen. Für uns fühlt sich Urlaub zu Hause absolut stimmig an, hilft uns doch eine möglichst günstige Urlaubsplanung auch unser kitafreies Leben zu ermöglichen. Von den nachhaltigen Aspekten mal ganz zu schweigen.

das Fernweh pausiert

Ja, das Fernweh ist trotzdem da und will definitiv auch gehört werden. Wir sparen uns das aber für mehr Zeit (und einen größeren Geldbeutel) auf. Ich freue mich schon unglaublich darauf, endlich wieder mit dem Bus und dann dem Wohnwagen loszudüsen und überall dort anzuhalten, wo es uns gefällt (oder es uns einfach reicht). Da aber auch das bedürfnisorientiert stattfinden soll, brauchen wir dafür vor allem eins: Zeit.

Langsames reisen ist mit Kindern (jedenfalls mit unseren) definitiv das bestverträglichste. Und wenn diese eben mal nicht da ist, finden sich auch daheim oder in der Nähe genügend Möglichkeiten. Urlaub zu Hause oder in der nahen Umgebung ist gerade mit kleinen Kindern für uns alle so am entspanntesten. Wir haben diesen wundervollen Sommer also vollkommen ausgekostet: sind barfuß über die Wiesen gelaufen, haben den Schatten im Wald genossen, die Füße ins Wasser gehalten, haben die langen Sommernächte ausgekostet, in den heißen Tag gelebt und dabei jede Menge neue Bekanntschaften und tolle Erfahrungen gesammelt und waren doch nur einen Steinwurf vom eigenen Zuhause entfernt.

Und wie habt ihr den fantastischen Sommer und das Jahr 2018 verlebt?

Habt es fein,

Julia

 

 

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