Alternative zur Kita - gemeinschaftliche Kinderbetreuung - Familiengarten

Alternative zur Kita: Gemeinschaftliche Kinderbetreuung

Suchst du eine Alternative zur Kita? Kita fühlt sich nach Abschied, Trennung und Distanz an? Kitafrei aber einsam und anstrengend? Dann ist eine gemeinschaftliche Kinderbetreuung bestimmt das richtige für dich. Was genau das ist und welche Vorteile das hat, liest du hier.

Eine gemeinschaftliche Kinderbetreuung ist eine alternative Form der Kinderbetreuung, die ich dir in diesem Gastbeitrag näher vorstellen möchte.

Hierbei schließen sich Familien zusammen, um gemeinsam ihre Kinder zu betreuen und sich gegenseitig zu entlasten.

Ich liebe diese Alternative zur Kita, da ich gerne am Alltag meiner Kinder teilnehme, ihnen beim Spielen zu sehe und bei Bedarf für sie da bin. Ich sehe uns als Teil einer Gruppe aus Gleichgesinnten und Vertrauten, in deren Obhut meine Kinder geborgen aufwachsen können. Daneben gewinne ich, dank der gemeinschaftlichen Kinderbetreuung, Zeit, um mich zu verwirklichen.

In diesem Artikel berichte ich dir von der Gründung und der Organisationsstruktur meiner gemeinschaftlichen Kinderbetreuung, dem Familiendorf. Damit du weißt, was eine GeKi ist und ob diese Alternative zur Kita für dich geeignet ist.

Kitafrei, Kita oder GeKi: Mir ist es wichtig, dass du eine Wahl hast. Meiner Meinung nach hat jede Betreuungsform  ihre Berechtigung. Aber du kannst dein Ideal nur wählen, wenn du deine Optionen kennst.

Alternative zur Kita: Wie die Idee zur gemeinschaftlichen Kinderbetreuung entstand

Heute nehme ich dich mit, auf meinen persönlichen Weg zur eigenen gemeinschaftlichen Kinderbetreuung.
Alles begann im Herbst 2013…

Mit einem Jahr besuchte mein Sohn eine Krippe. Ich hatte ihn angemeldet, um unseren Familienalltag zu bereichern: Mir Freiraum zu schaffen und ihm Freude zu bereiten. Es kam anders als erwartet: Drei Monate lief alles gut, dann kamen Krankheiten, Tränen und Verzweiflung. Wir kündigten den Platz.

Ich begegnete Nicola Schmidts Idee des Mütterteams und wurde auf Rockzipfelinitiativen aufmerksam. In mir erblühte der Traum, mit anderen einen Bus auszubauen, diesen als Elternbüro zu nutzen und von dort aus gemeinsam unsere Kinder zu betreuen. Eine echte Alternative zur Kita, das wäre toll.

Als sich nicht sofort Familien fanden, wurde ich unsicher. Mein Einfall war ungewöhnlich.

Gab es Menschen, die sich darauf einlassen würden?

Eine Alternative zur Kita gründen? Rückschläge gehören dazu

Ich begann meine Überlegung zu hinterfragen und beschloss, dass Kleinkinder feste Bezugspersonen bräuchten und es nicht funktionieren würde, wenn wechselnde Erwachsene die Kinder betreuten. Aber eine*n Erzieher*in einzustellen war nicht finanzierbar.

Ich warf diese Überlegung über Bord und mein Sohn besuchte eine weitere Krippe. Die Option ihn längerfristig zu Hause zu behalten, kam mir zu diesem Zeitpunkt nicht in den Sinn. Die Betreuung in einer Kita ist schließlich Standard. Alle machen das doch so.

Dennoch beschloss ich eine elterngeleitete Kita mit angeschlossenem Elternbüro zu gründen. Fünfzehn Kinder sollten hier ab einem Jahr bis zum Schuleintritt betreut werden. Es fanden sich andere Eltern, die das Projekt mit mir realisieren wollten.

Wir entwickelten das Motto: „Familiendorf, die Kita in der die ganze Familie willkommen ist“ und gründeten den Trägerverein: „Familiendorf Würzburg e. V.“ Dann suchten wir motiviert bis verzweifelt nach geeigneten und bezahlbaren Immobilien. Mein Sohn wechselte währenddessen in einen Waldkindergarten und immer noch waren keine Räumlichkeiten in  Sicht.

Ich kam an meine psychischen und physischen Grenzen, aber kämpfte weiter. Ich wollte nicht aufgeben, denn wenigstens meine Tochter sollte die Familiendorf-Kita besuchen. Ich wollte nie mehr eingewöhnen, sondern endlich unseren Traum leben und im Elternbüro, nahe bei meinem Kind, meine Masterarbeit schreiben.

Schließlich erinnerte ich mich an meine ursprüngliche Bus-Idee und beschloss erst einmal eine gemeinschaftliche Kinderbetreuung ins Leben zu rufen. Heute kann ich mir keine andere Betreuungsform mehr vorstellen.

Alternative zur Kita - arbeitende Mama mit Baby - Familiengarten

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Gemeinschaftliche Kinderbetreuung: So läuft das bei uns

Wir begannen im Herbst 2018 mit lockeren Kennenlerntreffen zwei bis drei Mal die Woche im Haus einer Teilnehmerin. Damals waren wir drei Familien. Bis zum Frühling 2019 wuchsen wir auf fünf Familien an und beschlossen endlich mit der gegenseitigen Betreuung zu beginnen. Teilnehmer*innen fanden wir im Bekanntenkreis, durch Aushänge, Facebook(-Gruppen) oder über unsere Homepage. Die Kita-Gründungs-Initiative war die ideale Startrampe, da wir bereits eine gewisse Reichweite aufgebaut hatten.

Wie du siehst, brauchte es bis zur Eröffnung unserer gemeinschaftlichen Kinderbetreuung, unseres  Familiendorfs, viel Vorlaufzeit. Diese war nötig, damit ich den Mut hatte meinen eigenen Weg zu gehen und meinem Gefühl zu vertrauen. Aber als der Entschluss getroffen war, ging alles reibungslos.

Anfangs trafen wir uns drei, später vier Vormittage die Woche. Betreut wurde immer von neun bis zwölf Uhr (aktuell: von Zehn Uhr bis open-end).

Von Beginn an bestand die Regelung, dass aus jeder Familie immer mindestens ein Elternteil vor Ort ist, welches entweder die Betreuung übernimmt oder Zeit hat, etwas für sich zu tun. Die Aufsichtspflicht behält der*die jeweilige Sorgeberechtigte, nur das Bespaßen übernehmen die Begleiter*innen. Wenn das Kind das eigene Elternteil braucht, sei es für den Toilettengang, zum Trösten oder zum Essen, ist dies immer möglich.

Jede Familie ist einmal pro Woche für die Begleitung der Kinder verantwortlich (Vater oder Mutter), wobei immer zwei Erwachsene für die Gruppe zuständig sind. Zum Teil unterstützen uns Ehrenamtliche bei der Begleitung der Kinder.

Wir betreuen Kinder ab zwei Jahren, soweit sie sprechen sowie laufen können und sich von anderen Eltern betreuen lassen. Vorab können die Familien zum Familiendorf kommen, beaufsichtigen ihre Kinder selbst und gestalten auf diese Weise ein langsames, liebevolles Ankommen. Zum Teil wechseln die Kinder mit drei Jahren in eine Kita, zum Teil sind sie bis zum Schuleintritt bei uns.

Viele von uns sind beruflich im pädagogischen Bereich angesiedelt, jedoch sehen wir uns in erster Linie als Eltern, die die Kinder so begleiten, wie sie es selbst bei ihrem Kind tun. Uns ist ein liebevoller und achtsamer Umgang wichtig.

Eltern-Kind-Büro-Alternative zur Kita-Familiengarten

Gemeinschaftliche Kinderbetreuung: Wo kann das stattfinden?

Im September 2019 fanden wir an einem Aktivspielplatz unser aktuelles Domizil. Zuvor trafen wir uns bei teilnehmenden Familien oder im öffentlichen Raum. Der Aktivspielplatz wird nur nachmittags genutzt und die Betreiber sind glücklich, wenn er auch vormittags mit Leben beseelt wird. Dies ist eine geniale Voraussetzung für eine wunderbare Zusammenarbeit und ermöglicht uns eine kostengünstige Betreuung.

Der Aktivspielplatz grenzt an einen öffentlichen Spielplatz und verfügt über eine eingezäunte Fläche, welches mit Fahrzeugen, Sandkasten, Wasserlauf und vielem mehr ausgestattet ist. Zudem gehört eine Hütte, mit Küche, Tischen und Toilette zu dem Gelände. Hier findet sich zahlreiches Bastelmaterial, Spiele undBücher. Die Räumlichkeiten nutzen wir vorwiegend, um den Eltern einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, aber auch zum Kochen oder Backen und bei ungemütlichem Wetter zum Aufwärmen oder  drinnen spielen.

Der erste Winter war hart, vor allem . aufgrund von internen Auseinandersetzungen mit einer neuen Familie. Aber als endlich der Frühling kam, waren wir zuversichtlich und voller Freude über den kommenden Sommer. Die Gruppe bestand aus zehn Familien.

Dann kam Corona.

Wir halten uns an die Vorgaben für private Zusammenkünfte. Dies ist umsetzbar, da die Gruppe im ersten Lockdown, durch Umzüge, Schul- & Kindergarteneintritte auf drei Familien geschrumpft ist. Jedoch stehen weitere Teilnehmer*innen auf de Warteliste. Familien, die vorher bei uns waren und mit einem jüngeren Geschwisterkind zu uns stoßen wollen, sowie Familien, die uns im Internet gefunden haben.

Es ist schade, dass wir diese Familien nicht aufnehmen können, aber wir sind hoffnungsvoll, dass auch diese Phase vorbeigeht und wir wieder in einer größeren Gruppe das Projekt mit Leben füllen können.

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Eine Alternatitve zur Kita gründen: So geht`s

Ich liebe es zu arbeiten, meine Kinder draußen spielen zu hören und jeder Zeit greifbar zu bleiben. Für uns ist es die perfekte Form der Kinderbetreuung.

Wie geht es dir?

Schlägt dein Herz schneller, wenn du dir vorstellst, den Tag mit deinem Kind zu verbringen, Zeit für dich zu haben und trotzdem greifbar zu bleiben?

Dann gründe doch selbst eine Alternative zur Kita und eine gemeinschaftliche Kinderbetreuung oder finde heraus, ob bereits eine Gründungsinitiative in deiner Umgebung existiert.

Als wichtigste Tipps kann ich dir mit an die Hand geben:

Setze dir einen Zeitpunkt, an dem die gemeinschaftliche Kinderbetreuung eröffnen soll. Ein halbes Jahr Vorlaufszeit ist realistisch. Wichtig ist, dass ihr einen Zeitpunkt festlegt, an dem ihr tatsächlich starten werdet. Wenn ihr am Tag X nur zu zweit seid, dann startet ihr zu zweit. Wenn ihr keine Räume gefunden habt, dann startet ihr auf einem Spielplatz oder bei dir zu Hause. Hauptsache ihr fangt an.

Überlege, wie deine GeKi aussehen soll und plane, als zweiten Schritt wie du diesen Traum wahr werden lassen kannst. Sei kreativ und mutig, der Rest wird sich finden!

Je nach Ausgestaltung deiner gemeinschaftlichen Kinderbetreuung  kann es nötig sein, eine Betriebserlaubnis zu beantragen. Mein Buch „Gemeinschaftliche Kinderbetreuung. Gründen & Betreiben.“ liefert hierzu eine erste Einführung.

Du möchtest direkt selbst loslegen? Hier findest du Tipps, wie du andere Selbstbetreuer finden kannst und hier findest du weitere Informationen zu Geki`s.

Gemeinschaftliche-Kinderbetreuung Familiengarten

Wie du vielleicht weißt, hatten wir mit dem Familiengarten etwas sehr ähnliches vor. Auch wir sind sehr oft gestolpert und insgesamt gibt es jede Menge Parallelen. Deshalb treffen Helen und ich uns bald virtuell, um uns mal ausgiebig über unsere Projekte auszutauschen:

Wie kam es zu unseren Ideen?

Welche Herausforderungen gab es auf dem Weg?

Und wie ist der heutige Stand?

Das alles werden wir besprechen und du kannst es hier bald nachlesen oder anhören.

Das willst du nicht verpassen? Dann trag dich doch hier unten in meinen Newsletter ein.

Über die Autorin

Gemeinschaftliche Kinderbetreuung - Helen Mültner - Familiengarten

Helen ist Mama von zwei Kindern und Gründerin der Familiendorf Würzburg e.V.”. In ihrem Buch „Gemeinschaftliche Kinderbetreuung. Gründen & Betreiben.“ zeigt sie dir, wie GeKis organisiert sind und gibt vielfältige Umsetzungstipps. Dabei bekommst du Einblicke in gesetzliche Rahmenbedingungen und Informationen zu Vereinsrecht und Businessplan. Ihr Ziel ist es, dich bei der Realisierung deiner GeKi zu unterstützen.

Gemeinschaftliche Kinderbetreuung - Helen Mültner - Familiengarten

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