zyklisch Leben - Familiengarten - innere Jahreszeiten

Zyklisch leben – Mehr Leichtigkeit im Alltag

Inhalt

Gastbeitrag von Esther*

„Das Zyklusding, ist nichts für mich”, bekomme ich nur allzu oft zu hören. Aber du kannst nicht entscheiden, ob das Zyklusding etwas für dich ist. DU BIST ZYKLISCH, ob du willst oder nicht. Zyklisch leben kann den Alltag bedeutend leichter machen. Wie, erfährst du hier.

Nichts kostet mich mehr Follower, als wenn ich in meinen Storys auf Instagram etwas über Menstruation, Blut oder eben den weiblichen Zyklus poste. Ich werde deswegen nicht weniger darüber schreiben oder posten, aber es ist schon interessant! Vor allem wenn ich bedenke, dass ich fast ausschließlich weibliche Follower habe. Auch einige meiner Freundinnen winken ab, wenn ich von zyklischem Wissen spreche. „Das sagt mir nichts.“, „Ich bin immer froh, wenn sie wieder durch ist für ein paar Wochen.“…

 

Weshalb ist der Zyklus so ein Tabu?

Meine Followerinnen kann ich leider nicht mehr fragen, aber es würde mich brennend interessieren, was sie zur Flucht treibt.

Einiges kann ich mir vorstellen. Ich weiß es von mir. Zykluswissen kenne ich aus meiner Ausbildung, rein anatomisch. Dann kennen wir es von Aussagen, die wir von Kindesbeinen an hören: „Ah, sie hat wohl wieder ihre Tage.“… Frauen werden oft als launisch bezeichnet. Sind sie auch, aber eigentlich nicht in diesem Sinne, wie wir es aktuell bewerten. Launisch dürfen wir durch zyklisch ersetzen, denn all diese Launen haben ihre Berechtigung und ihr Kraftpotential, wenn es dir bewusst ist und du weißt, was du dann brauchst. Oder eben was genau nicht.

„Dieses Zyklusding, das ist nichts für mich. Das sind doch alles diese tanzenden Waldfeen, die sich dafür interessieren.“ So klingt es aus vielen Ecken.

Alles ist zyklisch – auch du

Aber du kannst dir nicht aussuchen, ob das Zyklusding etwas für dich ist. DU BIST ZYKLISCH. Es wäre dasselbe, wenn du sagen würdest: „Das Schlafding, das ist nichts für mich.“ Du kannst nicht für dich entscheiden, ob du schlafen willst oder nicht. Wieviel und wann du schläfst, das obliegt dir, die Auswirkungen, die zu wenig Schlaf auf dich haben, wirst du zur Genüge kennen. Und alle, die irgendwann wieder zu ausreichend Schlaf kommen und spüren, wie gut es ihnen damit geht, wie ausgewechselt sie sind, möchten nicht mehr darauf verzichten.

Genauso, – oder eigentlich noch viel besser, verhält es sich mit dem Zyklus: Er ist in dir, er wirkt in dir und du kannst entscheiden, welchen Einfluss er auf deinen Alltag haben darf.

Und übrigens, alles in und um uns ist zyklisch. Schau in dich: Ein- und ausatmen, dein Herzschlag, die Blase, die sich füllt und leert, die Verdauung, das Schlafen und wachen. Schau um dich: Ebbe und Flut, die Mondzeiten, die Jahreszeiten, Geburt und Sterben. Alles hat seine Zeit, seinen Rhythmus.

Eins ist sicher:

Es wird dir bedeutend besser gehen, wenn du deinem eigenen Rhythmus lauschst.

Ich versprech`s dir.

 

Zyklisch leben: Wie alles begann

Mein Zugang zum zyklischen Wissen kam pragmatisch übers Aufräumen. Ich las irgendwo, dass es sich besser aufräumen lässt, wenn ich in der richtigen Zyklusphase bin, sprich kurz vor dem Zyklus.

Da ich schon seit Jahren meinen Kleiderschrank auf ein Minimum reduzieren wollte und es einfach nicht klappte, achtete ich darauf, wann denn die „Aufräum- und Loslassenergie“ eintrat. Und siehe da, in meinem inneren Herbst geschah das Wunder. Innerhalb eines Tages war mein Kleiderschrank bis auf das Wichtigste leergeräumt. Den Kleidersack noch am selben Tag dem Hilfswerk übergeben, damit die Reue mich sicher nicht nochmals in die Knie zwingen würde, war das ein enormer Erfolg. Und ich musste schon ein bisschen schmunzeln, dass mir das vorher scheinbar noch nie in den Sinn gekommen, geschweige denn aufgefallen war.

Ich grub mich tiefer in dieses Wissen und siehe da, eine weitere Erklärung ereilte mich, – weshalb ich alle paar Monate mal so eine unverständliche Beziehungskrise hatte, eigentlich ohne ersichtlichen Grund, Fluchtgedanken. Zyklisch immer zur selben Zeit, das verstand ich erst im Nachgang.

Und dass ich meinen inneren Frühling für meine Projekte nutzen kann, weil ich da die Dinge vorantreiben kann, gefühlt ohne Aufwand. Oder Texte schreiben. Fällt es mir schwer in einer Zyklusphase, schiebe ich es einfach auf die nächste. Will ich eine unterhaltsame, leichte Färbung meines Schreibstils, wähle ich den inneren Frühling. Soll es etwas emotionaler, tiefer und nachdenklicher werden, funktioniert der innere Herbst oder Winter gut. Und schon flutscht es. Meistens. Das Leben hält auch so noch seine Herausforderungen bereit.

„Wie konnte ich je ohne meinen Zyklus leben? Er ist mein Licht, meine Leuchte, meine Direktverbindung.“ Sjanje Wurlitzer

Wir leben in einer linearen Welt, in der wir immer gleich funktionieren sollten. IMMER ALLES führt aber dazu, dass Kreativität, Leichtigkeit und Lebensfreude im Keim erstickt werden. IMMER ALLES ist anstrengend. Es macht müde und brennt uns aus.

 

Zyklisch leben – die inneren Jahreszeiten

Unser Zyklus zeigt ein kleines Abbild der vier Jahreszeiten. Bei Frauen stärker als bei Männern, da wir den weiblichen Zyklus in uns tragen, der unter anderem mit seinen Hormonen zu körperlichen Vorgängen beiträgt, die sich dann auf unsere Stimmung und unsere Vorlieben auswirken. So können wir je nach Zyklusphasen Qualitäten wahrnehmen, die sich auf den Alltag übertragen lassen.

Zyklisch leben heißt, zu wissen an welchem Tag deines Zyklus du gerade bist und vielleicht sogar, welche Bedürfnisse sich daraus erschließen. Das braucht etwas Übung und Beobachtung, wird aber immer einfacher und irgendwann absolute Normalität, ohne Anstrengung.

Ein Zyklus beginnt am ersten Tag der Blutung (Zyklustag 1). Während der Menstruation befinden wir uns im inneren Winter, bei unseren Wurzeln, tief in uns drin. Dann folgen der Frühling und der Sommer, während wir kurz vor der Menstruation im inneren Herbst sind.

Jetzt hättest du sicher gerne Tagesangaben, was wann kommt?

Wie du vermutlich schon ahnst, kann ich dir die nicht geben.

Es gibt Frauen, die sind relativ früh im inneren Herbst und gelangen schon in den inneren Winter, bevor die Tage kommen. Dann kann der innere Frühling schon an Tag 3-4 kommen. Andere sind da später dran, haben die ganze Menstruation das Bedürfnis nach Rückzug, Ruhe, Pause, Innenschau. Beobachte dich, du wirst es bemerken!

Hilfreich ist es, sich ein Zyklusrad anzulegen. Wenn du mehrere solche Räder ausgefüllt hast, wirst du schnell bemerken, wann du dich wie fühlst und was dir wann entspricht. Gerade im inneren Herbst/Winter empfiehlt es sich, einige Gänge runter zu schalten, Termine, die nicht dringend nötig sind, nicht wahrzunehmen und die Kinder vielleicht nicht in dieser Zeit bei den wildesten Basteleien zu begleiten. Es kann sein, dass du nicht die Kraft und Nerven dafür hast und es allen mehr geholfen ist, ehrlich zu sagen, dass du das jetzt nicht schaffst. Und eine Pause auf dem Sofa oder deinem Lieblingssessel machst.

So hat jede Jahreszeit ihren Zauber, ihre Qualitäten, die du neugierig erforschen darfst. Eine wahre Schatztruhe.

zyklisch Leben - Familiengarten - Bedürfnisse in den Jahreszeiten

„Leben wir zyklisch, gehen wir mit dem Fluss des Lebens mit lassen uns auf den Strom der Kreativität ein.“ – Josianne von Quittenduft –

 

Zyklisch Leben im Familienalltag

Zyklisch leben in der Familie kann ganz unterschiedlich aussehen und du darfst für dich und deine Liebsten herausfinden, was für euch passt:

  • Male mit den Kindern ein Bild der vier Jahreszeiten: Je nach Alter kannst du ihnen erklären, dass auch in dir und in jeder Frau, ein kleines Abbild einer solchen Jahreszeit innewohnt. Wichtig für die Kinder zu wissen, dass es Richtung Herbst/Winter auch bei dir ?ruhiger wird und du nicht mehr für jeden Spaß zu haben bist, da sich alles in dir nach innen wendet. Es ist auch möglich, ein solches Bild aufzuhängen und mit einem Symbol zu signalisieren, in welcher Jahreszeit du dich befindest. Diese Information hilft meist schon, Konfliktsituationen zu entschärfen.
  • Häng ein rotes Tuch über einen gut sichtbaren Türgriff oder zünde eine rote Kerze an, wenn du deine Tage hast: Die Familie weiß, dass du nun mehr Ruhe brauchst und für dich ist es auch ein guter Reminder, ein paar Gänge runterzuschalten und bewusste Pausen einzuplanen. Dein Körper hat in dieser Zeit viel zu tun.
  • Plane bewusst kinderfreie Zeit nur für dich im inneren Herbst/Winter.
  • Bitte jemanden aus der Familie, in der Zeit der Menstruation eine bis mehrere Mahlzeiten zu übernehmen: sei es mit Planen, Einkaufen und /oder Kochen.
  • Äußere auch gegenüber deinen Kindern, dass du deine Mondtage/Menstruation hast und dein Körper jetzt etwas mehr Lust auf Ruhe hast. Balgen und Trampolin hüpfen darf warten.
  • Nutze die erste Zyklushälfte, sprich deinen inneren Frühling/Sommer, um mit der Familie neue Regeln oder sonst etwas spezielles zu besprechen: Du bist wortgewandter und geduldiger.
  • Denk daran: Es gibt nicht immer alles von dir für alle!
  • Eine ausgeruhte, erholte Mama ist Gold wert: Es ist für dich, die Kinder und die Beziehung hilfreicher und heilsamer, wenn du gut zu dir selbst schaust. Und genau das tust du, wenn du zyklisch lebst.
  • Und noch was: Die Familie geht so selbstverständlich mit dem Zyklus um, wie er selbstverständlich ist für dich. Es braucht also etwas Zeit….

 

In deinem Zyklus liegt eine starke Kraft. Eine Urkraft, die viel Power in dein Leben bringen kann. Hörst du auf sie, wird dein Leben lebendiger, kreativer und farbiger.

Zyklisch Leben - Familiengarten - Esther Schnidrig

 

*Esther Schnidrig ist Mentorin für Körperweisheit. Sie hat in ihren 15 Jahren als Pflegefachfrau immer wieder gesehen, welche Kraft und Wunder im menschlichen Körper geschehen, wenn wir selbst damit in tiefer Verbindung stehen. Deshalb forscht sie mit und für dich, als Frau und Mutter, damit sich das verlorene Wissen darüber wieder in die Welt trägt. Mehr von Esther findest du auf ihrer Homepage und auf ihrem Instagramkanal.

Zyklisch Leben - Familiengarten - Mehr Leichtigkeit im Alltag

 

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