Windelfrei: Vorteile und Basics | Familiengarten

Windelfrei: Vorteile und Basics

Babys ohne Windeln? Was hierzulande wahlweise zu Panik oder zu einem Lachanfall führt, ist in vielen Ländern der Welt völlig normal. Aber ist das nicht unglaublich stressig und schmutzig? Was genau windelfrei ist, wie es funktionieren kann und welche Vorteile windelfrei hat, zeige ich euch in diesem Beitrag.

 

Das Wissen über windelfrei ist in der westlichen Welt leider weitestgehend verloren gegangen. Dabei bietet es jede Menge Vorteile und kann bei so manchem Problem im Babyalltag helfen. Ganz nebenbei hilft es, das eigene Baby besser zu verstehen und zügig auf sein Ausscheidungsbedürfnis zu reagieren. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass das Wissen über windelfrei allen Eltern und allen anderen Bezugspersonen das Leben ganz schön erleichtern kann. Daher erfährst du in diesem ersten Teil alle Basics rund um windelfrei. Im nächsten Beitrag zeige ich dir dann, wie dir windelfrei im Babyalltag konkret weiterhelfen kann.

 

  1. Babys ohne Windeln?
  2. Was ist windelfrei?
  3. Vom Gerücht der fehlenden Schließmuskelkontrolle
  4. Wie funktioniert windelfrei?
  5. Was braucht man für windelfrei?
  6. Welche Vorteile hat windelfrei?
  7. Buch- und Linktipps

 

1. Babys ohne Windeln?

Windelfrei klingt für die meisten zunächst entweder völlig verrückt oder aber abschreckend, so sehr haben wir uns an die Tatsache, dass Babys Windeln brauchen, gewöhnt. Viele assoziieren mit windelfrei im besten Falle einen Haufen Arbeit, jede Menge Wäscheberge und Schmutz. Im schlimmsten Fall wird es für viel zu frühes Töpfchentraining gehalten, dass mit Zwang verbunden wird. In Wirklichkeit hat windelfrei damit aber rein gar nichts zu tun.

Es geht weder um Dogma noch um eine Art Wettbewerb. Windelfrei soll für alle Beteiligten eine Erleichterung darstellen. Es kann Eltern dabei helfen, die Signale ihres Babys besser zu verstehen und so besser auf das Baby einzugehen. Es geht nicht darum, jedes Pipi aufzufangen, auch ist windelfrei nichts, woran sich irgendein Erfolg bemessen lassen sollte. Auch, und das ist mir wirklich wichtig zu betonen, geht es nicht darum, dass das Kind möglichst bald „trocken“ werden soll. Das mag ein positiver Aspekt von windelfrei sein, sollte aber auf gar keinen Fall Anlass des Ganzen sein. Druck – egal ob auf Baby oder auf Eltern Seite, hat bei windelfrei nichts zu suchen.

Am Anfang mag windelfrei zeitintensiver sein, aber schon bald kehrt sich das um. Denn das aufwendige Saubermachen des Babys und oftmals der Kleidung entfällt meist relativ bald. Zudem braucht es später keine oft sehr aufwendige Windelentwöhnung oder ein kompliziertes (Wieder-)Erlernen der eigenen Körperfunktionen.

 

2. Was ist windelfrei?

Windelfrei heißt nicht, dass Babys zwangsläufig tatsächlich die gesamte Zeit ohne Windeln sind. Denn die meisten windelfreien Babys hierzulande tragen durchaus Windeln oder windelartige Backups. Der englische Begriff elimination communication, also Ausscheidungskommunikation, trifft es da schon besser. Beschreibt er doch, worum es eigentlich geht: Kommunikation.

Windelfrei heißt auch nicht, dass jedes kleine oder große Geschäft zwangsweise aufgefangen werden muss. Überhaut geht es um kein Muss, sondern um ganz viel kann. Denn windelfrei ist vor allem einfach sehr individuell. Babys und Eltern sind ja bekanntlich verschieden.

Grundlage von windelfrei ist, dass Babys von Natur aus signalisieren, wenn sie mal müssen. Das ist ein völlig normaler Prozess. Denn Babys wollen sich und ihr Nest nicht beschmutzen. Das ergibt auch jede Menge Sinn, wird es doch schließlich auch nirgendwo anders in der Natur so betrieben. Schließlich würde der Geruch Feinde anlocken.

Eigentlich recht einleuchtend, oder? Wir haben das Wissen darüber nur verloren. Warum das so ist und wer davon in höchstem Maße profitiert, dürfte nach kurzen Überlegungen klar sein. Es geht dabei nicht etwa vorrangig darum, es den Müttern leichter zu machen – wenn auch damit immer sehr gerne argumentiert wird. Sondern es ist in erster Linie schlicht und ergreifend ein Milliarden Geschäft. Ein sehr sicheres dazu. Denn Babys brauchen nach der hier vorrangigen Auffassung nun mal Windeln und das erstaunlicherweise auch immer länger.

Leider machen sich namenhafte Windelhersteller auch im Rest der Welt auf, das Wissen um die natürliche Ausscheidungskommunikation in Vergessenheit zu bringen. Dadurch geht auch ein gewaltiges Stück Natürlichkeit verloren. Etwas, das an sich völlig normal ist, wird zu einer großen Sache, die neben jeder Menge Nerven auch eine ganze Menge Geld kostet. Denn so praktisch Windeln vor allem am Anfang (aus Elternsicht) sein mögen, so lästig sind sie spätestens ab dem 2. oder 3. Lebensjahr, wenn wir (oder viel eher das Außen) beschließen, dass es doch nun auch endlich mal ohne klappen sollte.

 

3. Vom Gerücht der fehlenden Schließmuskelkontrolle

In vielen Teilen der Welt sind Babys ohne Windeln auch heute noch völlig normal. Tatsächlich ist es die überwiegende Mehrheit. Bei uns scheint das dagegen eine ziemlich unmögliche Sache. Denn leider hält sich das Gerücht hartnäckig, dass Kinder frühestens um den zweiten oft gar erst um den dritten Geburtstag überhaupt in der Lage wären, ihre Schließmuskel zu kontrollieren.

Meine Erfahrung, und die vieler anderer windelfreier Eltern weltweit, sieht da anders aus. Bei näherer Betrachtung macht das auch überhaupt keinen Sinn. Warum sollten Babys ihr Bedürfnis nach Nahrung, nach Schlaf und Nähe spüren, ihr elementares Bedürfnis der Ausscheidung aber nicht? Ok, zwischen spüren und Kontrolle ist ein Unterschied. Aber nicht nur windelfrei Kinder machen sich kurz vor dem großen Geschäft bemerkbar. Viele Eltern wissen und sehen genau, dass das Baby oder Kind gleich muss. Sie kommen nur nicht auf die Idee, es dafür abzuhalten. Auch suchen viele Kinder eine ruhige Ecke auf, um ihr Geschäft zu erledigen. Sie spüren also sehr deutlich, dass da etwas passiert und können es ganz offensichtlich auch in einem gewissen Maße kontrollieren. Ebenso spricht die Tatsache, dass Babys häufig genau dann pullern, wenn die Windel gerade gewechselt wird, dafür.

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4. Wie funktioniert windelfrei?

Babys signalisieren gerade am Anfang sehr deutlich, dass sie mal müssen. Wenn wir Eltern denn offen für diese Informationen sind und sie eben auch einzuordnen wissen, können wir auf diese Signale reagieren. Vielleicht habt ihr es selbst schon mal beobachtet: Sehr kleine Babys erledigen ihr Geschäft sehr häufig ausgerechnet dann, wenn die Windel ab ist. Das hat weder mit einer zu kalten Unterlage noch mit dem blanken Zufall zu tun. Es geht schlicht darum, sich nicht selbst zu beschmutzen. Das Weinen oder Schreien, welches uns dazu veranlasst, die Windel zu wechseln, ist oft eines der letzten und dringlichsten Signale, die unser Baby versucht, zu senden. Es muss mal. Ist die Windel dann endlich ab, kann das Baby sich schließlich erleichtern.

Neben dem Schreien gibt es noch einige andere Signale, die Babys im Vorfeld senden können:

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Um die Signale genauer kennenzulernen, ist es hilfreich das Baby eine Weile lang zu beobachten und so ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Zeichen es vorab macht. Eine weitere Möglichkeit sind die sogenannten Standartsituationen, in denen die meisten Babys müssen: kurz nach dem Aufwachen, ein paar Minuten nach dem Stillen (anfangs auch oft während dem Stillen), und immer dann, wenn ihr eine merkwürdig undefinierbare Eingebung habt, dass das Baby mal müssen könnte. Ein besonders guter Moment, um es einfach mal auszuprobieren, ist während des Wickelns. Denn wie schon erwähnt, erleichtern sich hier ohnehin sehr viele Babys.

Habt ihr eines der Signale wahrgenommen, könnt ihr das Baby ausziehen und es entweder über einen Topf oder Eimer, übers Klo oder das Waschbecken abhalten. Mit einem selbstgewählten Geräusch könnt ihr zudem signalisieren, dass euer Baby sich nun erleichtern kann. Das hat den Vorteil, dass es dieses Geräusch später übernehmen und euch so mit Hilfe von Lauten mitteilen kann, dass es mal muss. Je nach Alter des Babys gibt es verschiedene Möglichkeiten, es über das jeweilige Gefäß zu halten. Wichtig dabei ist, dass Rücken und Kopf gut gestützt sind und es für das Baby und euch angenehm ist. Am besten gelingt das, wenn ihr es an euch anlehnt und dabei die Oberschenkel haltet.

Zunächst ist das sicher alles recht ungewohnt, es dauert aber gar nicht so lange, bis sich windelfrei weitestgehend einspielt.

Vergesst nicht, dass es nicht darum geht, alles aufzufangen. Es gibt keine Medaille zu gewinnen, noch einen Preis für die beste Mutter des Jahres. Windelfrei soll Spaß machen und eurem Baby helfen, sich zu erleichtern. Es ist dabei völlig ok, wenn das Baby dabei Windeln trägt. Auch muss es nicht rund um die Uhr abgehalten werden. So ist es beispielsweise auch möglich, sich nur auf das große Geschäft und vielleicht einige Standartsituationen zu konzentrieren oder aber nur zu Hause windelfrei zu sein. Wie bei allen anderen Dingen mit Baby auch verläuft auch windelfrei nicht geradlinig. Es gibt immer wieder sich verändernde Phasen. Hat eure Kommunikation bis eben noch wunderbar funktioniert, kann es mit einem Mal wieder ganz anders aussehen. Gerade wenn das Baby einen neuen Entwicklungsschritt macht, kann es Rückschritte geben oder auch mal gar nichts mehr funktionieren. Dann sind einfach andere Dinge wichtiger. Gelassenheit oder der häufigere Griff zu Windeln oder Backups und das Reduzieren auf Standartsituationen können dann weiterhelfen.

 

5. Was braucht man für windelfrei?

Für windelfrei braucht es keine extra Ausstattung, auch wenn es mittlerweile viele praktische Helfer gibt. Bei der Kleidung haben sich Sachen bewährt, die schnell aus- und anziehbar sind. Denn wenn das Baby jedes Mal erst aus mehreren komplizierten Schichten gepellt werden muss, vergeht euch vermutlich schon recht bald die Lust, das Baby abzuhalten. Einteiler wie Strampler und Bodys sind tatsächlich eher weniger geeignet. Eine Windel oder Trainerhöschen und Babystulpen haben sich dagegen bei vielen windelfrei Eltern recht gut bewährt.

Vor allem im Winter sind Wollhosen und Wollhemden vorteilhaft, da sie sich nicht vollsaugen und eine ganze Menge Feuchtigkeit abhalten können. Auch wird das Baby nicht kalt. (Achtet beim Kauf von Wollsachen doch auf kbt und mulesing freie Herstellung oder kauft am besten gebraucht.)

Auch zum Abhalten selbst ist kein spezielles Gefäß nötig. Ein Eimer, eine Schüssel, ein Toilettenaufsatz oder aber das Waschbecken gehen vor allem für den Anfang gut. Dennoch kann ein spezielles Abhaltetöpfchen das Ganze deutlich erleichtern, denn im Gegensatz zum Klo oder dem Waschbecken kann es überall mithingenommen werden.

Als Backup gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Selbst die herkömmliche Wegwerfwindel kann benutzt werden, auch wenn ich persönlich sie aus ökologischen Gründen nicht dauerhaft empfehlen würde. Stoffwindeln stellen eine gute Alternative dar. Auch gibt es spezielle windelfrei Windeln, die sich besonders gut auf und zu machen lassen. Auch Trainerhöschen oder ganz normale Schlüpfer sind eine Möglichkeit. Mit einer extra Einlage versehen, halten sie je nach Alter des Babys auch schon einiges ab. Für den Angang reicht es aber wirklich aus, einfach zu nutzen, was ihr habt.

 

6. Vorteile von windelfrei

Wie ich eingangs erwähnt habe, hat windelfrei eine ganze Menge Vorteile. Es kann die Kommunikation zwischen dir und deinem Baby erheblich verbessern und dir so eine echte Hilfe im Babyalltag sein (mehr dazu erfährst du in einem kommenden Beitrag). Dadurch stärkt es die Mutter/Eltern- Kind Bindung.

Windelfrei ist bedürfnisorientiert, denn das Ausscheidungsbedürfnis des Babys wird direkt erfüllt. Babys, auf deren Signale eingegangen wurde, verlernen ihr natürliches Körpergefühl nicht. Zudem sind sie daran gewöhnt, „loszulassen“ und müssen später nicht erst mühsam herangeführt werden. Viele windelfrei Kinder sind daher früher trocken.

Da häufig der Stuhlgang relativ zuverlässig funktioniert, bleiben Baby und Eltern aufwendige Saubermachaktionen erspart. Gerade mit Stoffwindeln ist das ein sehr angenehmer Nebeneffekt. Auch Windeldermatitis oder Windelpilz kann oft verhindert werden, da es keinen langen Kontakt mit den eigenen Ausscheidungen gibt. Zudem bleiben Wickelkämpfe erspart.

Windelfrei ist zudem die nachhaltigste Variante der Babypflege. Spart es doch Müll und Wäsche und ganz nebenbei auch so einiges an Geld.

Außerdem trägt windelfrei ganz entscheidend dazu bei, die mütterliche beziehungsweise elterliche Intuition zu schärfen. Denn Intuition spielt bei windelfrei eine enorme Rolle: Plötzlich gibt es da diese unerklärliche Eingebung, dass das Baby mal muss. Oder mit einem Mal ist da diese sogenannte Phantomnässe zu spüren, obwohl alles noch trocken ist. Windelfrei hilft also ganz entscheidend, sich als Eltern auf die eigenen Fähigkeiten zurückzubesinnen. Meiner Meinung ist das genau das, was wir Eltern heute dringend brauchen.  

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7. Buchtipps

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artgerecht – Das andere Baby-Buch: Natürliche Bedürfnisse stillen. Gesunde Entwicklung fördern. Naturnah erziehen

Windelfrei? So geht’s!: Natürliche Säuglingspflege – Begleiten der frühkindlichen Entwicklung durch Kommunikation und Körperkontakt

Es geht auch ohne Windeln!: Der sanfte Weg zur natürlichen Babypflege

TopfFit!: Der natürliche Weg mit oder ohne Windeln (Edition Anahita)

 

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