Freies Spielen im Garten

Freies Spielen im Garten: So lässt es sich fördern

Freies Spielen ist eines der wichtigsten Güter unserer Kinder. Oft ist es aber gar nicht so leicht, ins Spiel zu finden. Auch wenn es keine bestimme Ausrüstung braucht – geht es doch darum kreativ zu werden und Alltagsgegenstände umzufunktionieren – können einige Utensilien helfen, freies Spielen im Garten zu fördern. Welche das bei uns sind, stelle ich euch hier vor.

 

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Meine Kinder haben ja oft recht ordentliche Anlaufschwierigkeiten, bis sie in ihrem gemeinsamen freien Spiel versunken sind. Bis dahin wird sich um jedes noch so kleine Ding gestritten, es wird geschimpft und Tränen fließen. Sie stehen sich dann oft gehörig selbst im Weg und finden da nur schwer wieder raus. Aber irgendwann ist es soweit, dann sind sie zu einer Einheit verschmolzen und gehen völlig in ihrem Spiel auf. Ich habe mich oft gefragt, ob ich ihnen irgendwie helfen kann, diesen Prozess zu beschleunigen. Meine Antwort lautet jein. Ich kann es nicht wirklich ändern. Aber ich kann ihnen helfen, sie begleiten und mit einer geeigneten Umgebung einen Raum für ihr freies Spiel bieten. Das geht auch wunderbar im Garten. Wichtig dabei finde ich, dass es nicht zu viel vorgegebenes Spielmaterial oder Spielgeräte gibt. Denn zum einen führt das bei uns zwangsläufig zu erneutem Streit und zum anderen hemmt es auch freies Spielen im Garten an sich.

Freies Spielen im Garten – diese Dinge können es erleichtern

Wir haben einen ziemlich großen Garten mit jeder Menge Platz zum Toben und doch dauert es manchmal gefühlt eine Ewigkeit bis meine beiden endlich draußen sind und dort ins Spiel gefunden haben. Wir haben unseren Garten erst seit April und sind bei weitem noch nicht fertig. Überall gibt es kleine und große Baustellen und das ist auch schon der, meiner Meinung nach, erste und entscheidendste Punkt für erschwertes Spielen: eine fehlende Ja-Umgebung. Immer wenn es hier richtig ungemütlich und stressig wird und wir großen Menschen das Gefühl des „Ausartens“ haben, liegt es im Grunde daran. Die Kinder haben irgendetwas umfunktioniert und experimentiert und dabei maximales Chaos angerichtet oder aber es ist mal wieder was kaputt gegangen / nass geworden / verschwunden, was noch gebraucht wird. Tja, im Grunde sind wir da selbst schuld.

Eine Ja-Umgebung auch im Garten

Eine Ja-Umgebung – drinnen wie draußen – ist für mich so ziemlich das entscheidendste für ein friedliches Miteinander und für Beziehung statt Erziehung ganz im Allgemeinen. Denn dann kommen wir gar nicht erst ins ewige Meckern, ins schimpfen und motzen. Denn ja, auch wenn wir hier gerade ständig in diese Falle tappen, es ist die Aufgabe von uns Großen, dafür zu sorgen, dass sich die Kinder frei bewegen und entfalten können.

Klar, gilt das nicht uneingeschränkt. Es muss nicht gleich der ganze Garten in Kinderhand sein. Aber der Großteil sollte einfach kindgerecht gestaltet sein. Manchmal braucht das leider seine Zeit. Dann hilft meiner Meinung nach vor allem es anzunehmen, mit den Kindern ins Gespräch zu gehen und geduldig mit sich selbst zu sein (Schreiben lässt sich das leicht. Es ist aber eine meiner schwersten Übungen…).

Die Kinder finden übrigens in einer Nein-Umgebung meist besonders viel potenzielles Spielmaterial. Das an sich ist also eher weniger das Problem. Allerdings wird das Spiel dann schnell durch schimpfende oder verärgerte Große Menschen wieder gestoppt. Daher ist meine erste und wichtigste Empfehlung für ungehindertes freies Spielen im Garten: schafft eine Ja-Umgebung.  

Freies Spielen im Garten

Ein eigener Rückzugsort

Ein weiterer wichtiger Punkt, um freies Spielen im Garten zu erleichtern, ist ein eigener Rückzugsort. Als absolutes Universalgenie, hilft er zum einen die Kinder überhaupt erst in den Garten zu bekommen, zum anderen liefert er die unterschiedlichsten Spielwelten. Mal ist es ein Schloss, mal eine Burg, mal eine Höhle, mal ein Auto oder Bus und mal ein Zelt. Gleichzeitig bietet er den Kindern ein wenig Schutz vor Wettereinflüssen und kann natürlich auch ganz einfach für gemütliche Pausen genutzt werden.

So ein Rückzugsort kann je nach Gartenbeschaffenheit ganz unterschiedlich sein.. Neben dem klassischen Spiel- und Baumhaus gibt es noch etliche andere Möglichkeiten. Mein persönlicher Favorit ist ein selbst gepflanztes Weidentipi. Aufgrund einer schier unüberwindbaren To-Do Liste konnten wir das dieses Jahr leider noch nicht umsetzen. Deshalb haben wir kurzerhand aus vier stabilen Holzstangen und einem großen Sonnensegel ein Indianerzelt entstehen lassen. Aber auch unser Regenschirmzelt ist ein gern genutzter und viel bespielter Rückzugsort, der sich völlig problemlos wieder abbauen oder auch umsiedeln lässt. Unschlagbar ist allerdings unser Wohnwagen, den ich aus Elternsicht aber eher weniger als Rückzugsort empfehlen kann. Jedenfalls dann nicht, wenn er nicht ausschließlich als Spielparadies dienen soll…

Freies Spielen im Garten

Eine Wasserquelle

Fließendes Wasser hat ja eine magische Anziehungskraft auf Kinder. Meine jedenfalls können den Wasserhahn einfach nicht zulassen. Da sind wir schon beim größten Problem. Wir wollen nicht, dass das Wasser ständig läuft, die Kinder dagegen lieben es.

Auch hier tauchen sie in die unterschiedlichsten Spielwelten ein: Mal spielen sie Feuerwehr, mal ist die Paw Patrol bei einem wichtigen Einsatz, mal sind sie in einem heftigen Regenguss und ein anderes Mal sind sie einfach fleißige Gärtner, die sich mit vollem Einsatz um unsere Pflanzen kümmern. Auch spritzen sie sich natürlich liebend gerne von oben bis unten nass oder fluten sich einen Teil des Gartens einfach selbst, um sich ihre ganz eigene Matschwelt zu erschaffen.

Am aller liebsten hätten wir ja eine richtige Wasserpumpe und damit einen kleinen Wasserspielplatz angelegt. Diese Pumpen sehen nicht nur unglaublich gut aus, sondern das Wasser kann nicht ganz so einfach „verschwendet“ werden. Auch können sie an Regentanks oder Wasserzisternen angeschlossen werden. Fängt man das Wasser dann noch in einem Gefäß wieder auf und filtert es mit einem Sandfilter, entsteht ein toller Wasserkreislauf, der nicht nur zum ausgiebigen Matschen genutzt werden kann, sondern auch jede Menge Lernmöglichkeiten bietet. Sobald wir unsere Gedanken diesbezüglich umgesetzt haben, zeigen wir euch das natürlich.

Bis dahin sind wir immer wieder mit den Kindern in Kommunikation, was das allzu viele fließende Wasser angeht. Wir versuchen Alternativen wie unsere Regentonnen oder wenigstens Gefäße anzubieten, in denen das Wasser gesammelt wird. Gleichzeitig versuchen wir aber auch die Ziele hinter der vermeintlichen Wasserverschwendung zu sehen und lassen die Kinder auch immer mal wieder machen. Mittlerweile denken sie häufig auch schon von selbst daran.  

Freies Spielen im Garten

Ein Ort zum Planschen

Ich liebe ja unsere alte Zinkwanne. Sie ist mal ein Ruderboot, dass in hohe See sticht, mal ein kleiner Teich und ein anderes Mal das ganze Meer, an dessen Strand der Sonnenschirm platziert wird. Zudem erfüllt sie auch bestens ihren eigentlich angedachten Zweck, nämlich das säubern unserer dreckverschmutzten Kinder. Ein Pool, eine große Kiste oder ein Planschbecken liefern bei warmen Sommertemperaturen natürlich genauso viel kreatives Material für freies Spielen im Garten. Auch wenn ich eine Zinkwanne schon aus optischen Gründen wirklich sehr empfehlen kann.

Freies Spielen im Garten

Ein Matschplatz

Ein Platz zum ausgiebigen matschen und patschen erleichtert freies Spielen im Garten ebenfalls sehr. Es muss gar nicht unbedingt ein richtiger Sandkasten sein, ein kleiner Sandberg reicht völlig und bietet sogar oft mehr Platz für ungehindertes fantasievolles Treiben. Ist dann noch eine Wasserquelle in der Nähe ist das Glück perfekt. Mit Wasser, Sand, Blüten, Zapfen und Stöckern lässt es sich nicht nur wunderbar kochen, brutzeln und backen, sondern es können auch die unterschiedlichsten Spielwelten entstehen. Auch bietet das matschen selbst natürlich wertvolle sensomotorische Reize und sollte daher ganz oben auf der „Förderliste“ stehen.

Für alle, die es etwas eleganter mögen, ist natürlich eine Matschküche ein echter Klassiker. Sie ist aus Paletten schnell selbstgebaut und kann so recht unkompliziert nach den eigenen Wünschen gestaltet werden. Natürlich gibt es sie aber auch in allen erdenklichen Varianten zu kaufen. Meiner Meinung nach ist auch hier weniger mehr. Ich finde zwar detailgetreue Küchen oft wirklich sehr schön anzusehen, empfinde sie aber wie so viele andere Spielgeräte auch, für freies Spielen im Garten eher ungünstig. Wird doch mit jeder Vorgabe eben auch ein stückweit die Fantasie beschränkt. Mir gefällt daher etwas Schlichtes, naturbelassenes wie die Matschküche von Pinolino am besten, die es bei Babywalz zu kaufen gibt.

Es darf natürlich auch „vorgefertigte“ Spielgeräte geben. Auch wir haben einen Kletterturm im Garten stehen. Allerdings hätten wir ihn wohl selbst nicht gekauft. Er war einfach schon da und wird nun auch sehr häufig ins freie Spiel integriert. Wir haben aber auch jede Menge Platz. Bei sehr kleinen Gärten würde ich persönlich wohl eher darauf verzichten und den Platz (und das viele Geld) lieber mit schönen wandelbaren Gegenständen ausstatten, die zu ganz unterschiedlichen Spielen einladen.

Gesunde Unordnung

Besonders schön aus Kindersicht ist ein nicht ganz top aufgeräumter Garten. Denn da wo immer sofort wieder alles an seinen Platz geräumt werden muss, wird freies Spielen im Garten schnell wieder gehemmt. Auch sind herumliegende Stöcke, Zapfen, Steine oder Bretter natürlich sehr gern gesehene Spielutensilien. Sie werden mal zum Wandern, mal zum Kochen des Zaubertrankes, mal fürs Lagerfeuer oder aber zum Brücken und Flöße bauen genutzt. Wir haben hier die besten Karten, sind wir doch eher als Team Chaos unterwegs. Aber natürlich muss nicht einfach alles rumliegen. Ein paar Ecken, an denen sich einige Materialien finden lassen, sind ja schon ausreichend. Bietet man hier auch noch ein paar ausrangierte Töpfe und Kellen wie auch die ein oder andere Tasche oder einen alten Regenschirm und vielleicht noch die ein oder andere Schnur an, ist das Spielvergnügen perfekt.

stabile Nerven

Und last but not least das aller, aller wichtigste für ungehindertes freies Spielvergnügen: Gute Nerven auf der Elternseite. Mir fällt es nicht immer leicht, das kreative Treiben gewähren zu lassen und hinter dem vermeintlichen Chaos das Spiel zu sehen. Gerade meine Tochter hat einen ausgiebigen Drang alles in Taschen und Kisten zu verpacken und ans andere Ende des Gartens zu verfrachten. Da sie sich meist in sehr vielen, sehr unterschiedlichen Spielwelten befindet, ist der Koffer samt meiner Bitte, den Inhalt doch wieder zurück zu bringen, innerhalb von Sekunden wieder vergessen… Ooooooohhmmmm. Und natürlich geht es hier mit beiden Kindern sehr oft SEHR wild und SEHR kreativ zu. Das ist nicht immer einfach hier eine gute Balance zwischen kreativem Spiel und Schutz der eigenen Grenzen zu finden. Denn ist das freie Spiel einmal so richtig in Fahrt, lässt es sich häufig nur recht schwer wieder stoppen.

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