Grenzen setzen - brauchen Kinder Grenzen - bedürfnisorientierte Erziehung - Familiengarten

Grenzen setzen: Brauchen Kinder das?

Es scheint kaum etwas wichtigeres zu geben, als Kindern Grenzen zu setzen. Kinder machen sonst was sie wollen und tanzen uns Eltern nur noch auf der Nase rum. Aber ist das so? Und was ist eigentlich gegen tanzende Kinder zu sagen? In diesem Artikel schaue ich mir das Grenzen setzen mal näher an.
Themen:

Kinder brauchen Grenzen. Diesen Satz haben wohl die allermeisten von uns schon mal gehört. Die Sorge, Kinder würden ohne Grenzen zu bösartigen Tyrannen mutieren, die machen was sie wollen und ihre Mitmenschen drangsalieren ist groß. Aber ist das wirklich so und was bedeutet dieses Grenzen setzen eigentlich?

Tatsächlich ist an dem Satz was Wahres dran. Denn Grenzen können Kindern Orientierung bieten. Und trotzdem sage ich laut, nein, Kinder brauchen keine Grenzen. Jedenfalls nicht in der Form, wie das allgemeinhin verstanden wird.

Ab hier wird es kompliziert. Deshalb sollten wir uns erst mal anschauen, was Grenzen setzen eigentlich heißt.

Grenzen setzen: Was sind Grenzen überhaupt?

Allgemeinhin werden unter Grenzen Regeln verstanden, an die Kinder sich zu halten haben. Sie sind eine Art rote Linie, die es nicht zu überschreiten gilt. Grenzen markieren somit den Bereich des Unmöglichen. Der Ort, an dem „Schluss mit lustig“ ist. Werden sie überschritten, gibt es Ärger. Und zwar richtig.

Diese Art Grenzen zu setzen ist aber nicht das, was Kindern weiterhilft. Denn in aller Regel sind diese von Erwachsenen gesetzt und meist auf Kinder beschränkt. Sie sind künstlich und zeigen vor allem eins: Wer der mächtige ist. Oft ergeben diese Grenzen keinen wirklichen Sinn. Sie sind so, weil MAN das so macht oder MAN das nun mal so gesagt hat. Das hilft Kindern aber nicht. Im Gegenteil, je nachdem um was für Grenzen es sich handelt und was passiert, wenn sie überschritten werden, können sie sogar gehörig schaden.

Und doch sind Grenzen für Kinder wichtig.

Aber wie passt das nun zusammen?

Grenzen setzen: Persönliche Grenzen sind wichtig

Es gibt eine andere Art von Grenzen, die sehr wichtig für Kinder sind. Leider sind es ausgerechnet jene, die die aller wenigstens Kinder regelmäßig erfahren: persönliche Grenzen.

Im Gegensatz zu allgemeinen Grenzen sind persönliche Grenzen etwas ganz Individuelles. Sie sind weder in Stein gemeißelt, noch sind sie zwingend immer gleich. Sie können je nach Tagesform und Situation unterschiedlich ausfallen und sind eben nicht unverrückbar.

Jeder Mensch hat seine ganz eigenen Grenzen. Einen Punkt, an dem es unangenehm wird. Dort, wo es piekt und zwickt. Da, wo es ganz einfach zu viel wird. Diese zu erfahren ist unglaublich lehrreich. Diese Grenzen sind individuell, denn was der eine Mensch als störend empfindet, mag ein anderer total lustig finden. Ganz einfach, weil wir Menschen verschieden sind. Wir alle bringen unterschiedliche Erfahrungen mit, haben andere Werte und ganz und gar verschiedene Erschöpfungspunkte.

Persönliche Grenzen zeigen das. Sie machen Kindern deutlich, dass jeder Mensch für sich einstehen darf. Dass jeder Mensch Momente hat, an denen er oder sie sich nicht mehr wohlfühlt oder nicht mehr kann. Und dass das vollkommen in Ordnung ist. In dem wir uns und unsere Grenzen zeigen, geben wir unseren Kindern etwas ganz Essenzielles mit. Nämlich, dass wir uns zeigen dürfen, wie wir sind und unsere Grenzen dabei schützen können.

Dass das vielen Erwachsenen schwerfällt, zeigt, wie wichtig es für unsere Kinder ist. Denn die meisten Erwachsenen wissen heute noch nicht mal mehr, was genau ihnen gerade Unbehagen bereitet, geschweige denn sind sie in der Lage das auch noch in Worte zu fassen. Das das die aller wenigsten von uns können, liegt daran, dass wir es nicht gewohnt sind. Eben weil unsere Grenzen nicht gesehen wurden und wir stattdessen immer wieder dazu gebracht wurden und werden, unsere Grenzen zu übergehen. Dass das aber weder gesund noch förderlich ist, ist heute mehr als deutlich sichtbar.

Auch ist genau das ein häufiger Grund für Schwierigkeiten mit unseren Kindern. Denn sie suchen nicht irgendwelche Grenzen, sie suchen UNS. Hypnose kann helfen wieder Zugang zu unseren eigenen Bedürfnissen zu bekommen und so auch unsere eigenen Grenzen wieder besser zu spüren.

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Persönliche Grenzen setzen: Und was, wenn das nicht funktioniert?

Das mit dem Funktionieren ist so eine Sache. Wir alle reden da unglaublich gerne drüber und schieben das nicht funktionieren nur allzu gern als Grund vor, warum wir unseren Kindern nicht bedürfnisorientiert und auf Augenhöhe begegnen können.

Die Frage ist, warum sollten unsere Kinder denn funktionieren?

Und wer legt fest, wie richtiges funktionieren läuft?

Meint das, dass unsere Kinder das machen, was wir von ihnen wollen?

Dann ist das richtig. Dann kann es nicht funktionieren. Ganz einfach, weil unsere Kinder Kinder sind. Sie sind keine Maschinen. Sie sind eigenständige Menschen mit einem eigenen Willen und einer eigenen Meinung. Erstaunlicherweise ist es genau das, was die meisten Eltern sich für ihre Kinder wünschen: Das sie sich später mal durchsetzen können. Dass sie sich nicht unterkriegen lassen. Aber wehe sie fangen damit in der Kindheit schon an…

Kinder sind nicht hier, um uns Großen unser Leben leichter zu machen. Sie stehen in erster Linie für sich selbst ein und das ist gut so. Das heißt trotzdem nicht, dass sie nur noch machen können, was sie wollen. Wenn wir ihnen aber bedürfnisorientiert und auf Augenhöhe begegnen wollen, dann geht es nicht ums Funktionieren, sondern um den Versuch (gemeinsam) Lösungen zu finden. Kompromisse einzugehen, zu schauen, wie zwei verschiedene Bedürfnisse miteinander vereint werden können (unden). Das bedeutet genau hinzuspüren und beinhaltet auch, dass es dabei auch mal holpern kann.

Es geht darum, sich selbst zu reflektieren:

Wie starr ist hier meine Grenze?

Wessen Bedürfnis wiegt hier gerade mehr und wie können wir aufeinander zugehen?

Raus aus Machtkämpfen, rein in die Beziehung. Das ist nicht immer einfach und natürlich umso schwerer je kleiner die Kinder sind. Aber Kinder, die es gewohnt sind, dass IHRE Grenzen gewahrt und gesehen werden, sind oft auch besser in der Lage, die Grenzen anderer zu achten.

Ja, das ist anstrengend. Ja, es kann mitunter sehr herausfordernd sein. Aber nur so können unsere Kinder wirklich verstehen lernen, dass andere Menschen Grenzen haben, wie man diese setzen kann und wie Lösungsfindung funktioniert. Kompromisse zu finden, um die Ecke denken, Lösungen zu suchen, wo auf den ersten Blick keine sind – all das sind Fähigkeiten, die enorm wichtig sind und wohl in Zukunft eher noch mehr an Bedeutung gewinnen werden.

Wo sonst könnten Kinder das besser lernen als im geschützten Raum der Familie?

Grenzen setzen: Was, wenn das alles nicht hilft?

So schön es wäre, aber hierauf gibt es leider keine pauschale Antwort. Ich selbst kenne solche Situationen selbst sehr gut. Momente, an denen man an sich selbst und seinen “Fähigkeiten” als Mutter bzw. Eltern zweifelt. Momente, in denen alles nur noch unglaublich anstrengend erscheint und gefühlt alles zu einer quälenden Diskussion führt.

Hier hilft es genau hinzuschauen, denn “auffälliges Verhalten” ist oft eine Reaktion auf äußerliche Veränderungen oder Schwierigkeiten, aber auch oft ein Spiegel unserer eigenen Probleme.

Was ist bei mir los?

Wie geht es mir selbst und muss ich für mich etwas verändern?

Wie sieht es mit meinen persönlichen Grenzen aus?

Was ist los im Außen, was mein Kind zum Schwanken bringen kann?

Steckt es vielleicht gerade mitten in einer Entwicklungsphase fest?

Hat sich etwas grundlegendes verändert?

Hierauf antworten zu finden und zu schauen, wie sich die Familie neu ausrichten kann, ist alles andere als leicht. Erst recht, wenn man ohnehin schon erschöpft und ausgelaugt ist.

Auch gibt es Situationen, für die es keine zufriedenstellenden Antworten gibt. Manche Dinge lassen sich nicht sofort ändern und mit manchen Besonderheiten der Kinder kann es stellenweise auch nahezu unmöglich erscheinen, geeignete Lösungen zu finden.

Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es willkürliche Grenzen und Strafen nicht besser machen. Im Gegenteil.

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Grenzen setzen: Hilfreiche Literatur hierzu

Kinder anders zu begleiten, als wir es gewohnt sind, geht nicht immer rein intuitiv. Denn unsere eigene Erziehung, aber auch gesellschaftlichen Ansichten haben Spuren hinterlassen und prägen uns stark. Wollen wir mit unseren Kindern neue Wege gehen, kann es daher helfen, sich Inspiration und Rat von anderen Menschen zu holen, die unsere Werte teilen. Hier findest du hilfreiche Literatur zum Thema Grenzen setzen:

Und hier habe ich dir noch einige wertvolle Ratgeber zusammengestellt, die praxisnahe Tipps geben, wie bedürfnisorientiertes Leben mit Kindern gelingen kann. Sie alle sind als praktische Hörbücher verfügbar, die du dir zum Beispiel mit Storytel anhören kannst. Über diesen Link kannst du Storytel* für 30 Tage kostenlos testen und dabei so viele Hörbücher anhören, wie du möchtest. Danach ist die App jederzeit kündbar und kostet 14,90. Ein praktischer Kindermodus und unzählige Hörspiele für Kinder sind inklusive. Meine Top 5 habe ich dir hier noch mal aufgelistet:

  • Erziehen ohne Schimpfen – Alltagsstrategien für eine artgerechte Erziehung
  • Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn – Der entspannte Weg durch Trotzphasen (gibt es auch als Geschisterbuch und zur Wackelzahnpubertät)
  • Nestwärme, die Flügel verleiht: Halt geben und Freiheit schenken – wie wir erziehen, ohne zu erziehen
  • Kindheit ohne Strafen: Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen
  • Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern: Die Sprache der Harmonie in der Kindererziehung – Wie Sie Ihr Kind ohne Schimpfen und Schreien erziehen und eine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung aufbauen

Persönliche Grenzen sind also unerlässliche für unsere Kinder, starre Grenzen und Regeln, die MAN eben so macht, dagegen nicht. Wie ist das bei dir, fällt es dir leicht, deine eigenen Grenzen zu kommunizieren?

 

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